Romantik und Expressionismus, weltberühmte Bauwerke sowie ein Abend auf den Spuren von Erich Kästner in der legendären Dresdner Neustadt.

Mit einem Werk des bekannten Dresdner Schriftstellers Erich Kästner als „Buslektüre“ für die nachfolgenden Stunden ausgestattet, machten sich die Schülerinnen und Schüler der W 13 unserer FOS an einem sehr frühen Mittwochmorgen auf, um in die Elbmetropole zu gelangen, die es intensiv zu erkunden galt.
So wurden die folgenden Tage in Dresden, organisiert vom Klassenleiter Herrn Dominik und begleitet von Frau Zels, schon vom Start weg eine kulturelle Bereicherung für alle Beteiligten.
In der dreitägigen Exkursion lernten die Teilnehmer die geschichtsträchtige Landeshauptstadt Sachsens näher kennen und erweiterten ihren Horizont auch im Hinblick auf die Kunstgeschichte, die deutsche Geschichte bis zur Wende sowie die aktuellste Zeitgeschichte, zum Teil auf sehr unkonventionelle Art und Weise. Nach der Ankunft wurden zunächst die Zimmer in einem absolut zentral gelegen Hotel, direkt auf der bekannten Prager Straße im Herzen Dresdens, bezogen. Gleich im Anschluss stand an diesen ersten Exkursionstag das Wahrzeichen Dresdens, die berühmte Frauenkirche, zur Besichtigung an. Beim Rundgang und einem zuvor erfolgten kunsthistorischen Vortrag auf den Emporensitzrängen - direkt unter der imposanten und weltberühmtem Steinkuppel dieses Sakralraums - erhielten Schüler und Lehrer spannende Einblicke in die Geschichte und Architektur dieses Bauwerks, dessen Wiederaufbau erst 2005, also 60 Jahre nach der vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, abgeschlossen war, und alle Beteiligten konnten das gewaltige Gebäude auf sich wirken lassen. Davon ausgehend wurde die Tatsache, dass diese Frauenkirche zu einem Symbol der Aussöhnung ehemaliger unversöhnlicher Kriegsgegner, hier speziell Deutschlands und Großbritanniens im Zweiten Weltkrieg, geworden ist, im Hinblick auf Kriegsschauplätze wie Syrien oder die Ukraine von der Passauer Fos-Besuchergruppe bis in den Geschichte-Sozialkundeunterricht der folgenden Wochen immer wieder thematisiert.
Im Anschluss daran übten die zahlreichen Cafés in der Prager Straße eine gewisse Anziehungskraft auf die Schüler aus und mussten natürlich, auch an den Folgetagen, erkundet werden. Den Abend verbrachte unsere Gruppe in der legendären Dresdner Neustadt, dem Künstler- und Studentenviertel dieser Landeshauptstadt, das besonders ab den Abendstunden mit einer großen Fülle an Schauplätzen der Alternativkultur sowie einer Menge an Gastronomieangeboten lockt. Hier in der Dresdner Neustadt konnten die Abiturienten samt ihren Lehrkräften sich nun auch auf den Spuren des Schriftstellers Erich Kästner bewegen, der in diesem Viertel seine Jugend verbrachte. In dieser W 13 ist Kästners Roman „Fabian“, der auch Handlungsorte und biographische Anklänge des Künstlers an Dresden beinhaltet, als eine der Klassenlektüren ausgewählt worden. Somit war dieser Weg zu Verpflegung und Vergnügung am ersten Abend in dieser facettenreichen Stadt eingerahmt von den späteren Anknüpfungen daran im Deutschunterricht, zum Beispiel hinsichtlich der Bedeutung unterschiedlicher Großstädte wie Dresden und Berlin sowie bestimmter Stadtviertel von diesen im Werk Kästners.

Die kulturelle Seite Dresdens kam auch am zweiten Tag natürlich nicht zu kurz: Der Besuch der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die im Albertinum präsentiert wird, bot einen Rundgang durch die Meisterwerke von der Romantik bis zur Gegenwart. Die Kunsthistorikerin, welche unserer Gruppe eine hochinteressante Führung darbot, legte dabei in Absprache mit unserem Klassenleiter und Deutschlehrer den Schwerpunkt ihrer Ausführungen auf jene Epochen der Malerei, Romantik und Expressionismus, welche im Deutschunterricht im Rahmen der Lyrik- und Epochenanalysen besonders intensiv behandelt worden waren. So bot sich hierbei für unsere Schülerinnen und Schüler der 13. Jahrgangsstufe die wohl eher seltene Gelegenheit, ihr Wissen um die jeweilige Kunstepoche direkt, von Angesicht zu Angesicht, mit den Werken von zum Beispiel Caspar David Friedrich, den expressionistischen Malern der Künstlergruppe „Die Brücke“ oder Otto Dix anzuwenden und zu erweitern, angeleitet durch die Ausführungen der anwesenden Kunsthistorikerin und des Deutschlehrers, die dabei auch eine Vielzahl an Fragen zu beantworten wussten. So ergaben sich aus dieser Erweiterung des Klassenzimmers in die Museumshallen auch weitere anschauliche und lebendige Komponenten für verschiedene Bereiche des Deutsch- und Geschichteunterrichts in der Folgezeit, zum Beispiel hinsichtlich der Wirkungsabsichten von Künstlern in der Weimarer Republik und in unseren Tagen.
Angesichts der Räume in diesem Museumsbau mit moderner Gegenwartskunst von beispielsweise Gerhard Richter, einem der weltweit bekanntesten und einflussreichsten deutschen Vertreter der Gegenwartskunst, dessen Werke damit auch zu den weltweit teuersten zählen, führte die Frage, was überhaupt als Kunst bezeichnet werden soll bzw. darf, zu hitzigen Gesprächen und Diskussionen über verschiedene Kunstverständnisansätze mit allen Vertretern unserer Passauer Gruppe. So mancher Schüler, der hierbei, fast schon in erkenntnistheoretischer Verzweiflung, sich mit den hier gezeigten maßgeblichen Werken der internationalen Gegenwartskunst in diesem herausragenden Museum beschäftigte, erhielt damit bis in verschiedene nachfolgende Deutschstunden tiefgreifende Denkanstöße und somit Stoff für sehr nachhaltige Konversationen mit Lehrern und Mitschülern über den Umgang mit Kunst und Kunstobjekten.
In der anschließenden Stadtführung entlang des Elbufers konnte das historische Zentrum Dresdens auf interessante Weise und bei herrlichstem Sonnenschein genossen werden.
Diesen Rundgang mit den entsprechenden Ausführungen zu den historischen Sehenswürdigkeiten der Dresdner Altstadt führte Herr Dominik selbst durch und unsere Gruppe erhielt dabei vertiefende Einblicke in die sächsische und deutsche Geschichte, jeweils direkt vor den entsprechenden Gebäuden, auch jeweils versehen mit Erklärungen für Bezugspunkte zur Revolution von 1848 sowie der Rolle von Dresden bei der friedlichen Revolution vom November 1989. Beginnend am historischen Neumarkt mit dem Coselpalais, führte der Weg weiter an dem spektakulären Neubau der Dresdner Synagoge vorbei auf die Brühlsche Terrasse direkt über der Elbe, die nach zwei Seiten einen sehr eleganten und weltbekannten Panoramablick zu den baulichen Highlights der Dresdner Innenstadt gewährt, hierauf weiter zur Kunstakademie, der Sekundogenitur, dem Ständehaus, der katholischen Hofkirche und dem Fürstenzug am Schloss, welcher großformatige Bilder aus der sächsischen und deutschen Herrschergeschichte darstellt, die auf Meißner Porzellanfliesen gebrannt wurden und an der Außenseite der Schlossfassade angebracht sind. Danach ging es nun zum Stadtschlossinnenbereich mit Stallhof und Johanneum, weiter an den Schlossanlagen entlang zur barocken Zwinger-Anlage und dem Taschenbergpalais, um am Theaterplatz zu enden, der sich direkt vor der weltberühmtem Semperoper des Baumeisters Gottfried Semper befindet. Hier wurde unsere Klasse, nach diesem Spaziergang durch eine der schönsten, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nun wieder in voller Pracht und mit aufwändigem Glanz aufgebauten, historischen Innenstädte Europas, von den problematischen Tagesrealitäten dieser Örtlichkeit eingeholt. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass sich jeden Montag auf dem Platz vor der Semperoper die Anhänger der sogenannten „Pegida“-Bewegung versammeln. Den Abschluss dieses Stadtrundgangs im Dresden des Jahres 2016 bildete somit erneut eine intensive Diskussion innerhalb unserer Fos-Reisegruppe, nun über aktuelle tagespolitische Herausforderungen und die Gefährdung unserer Staatsordnung durch die Anhänger von antidemokratischen Parolen.

Nach einem kurzen Hotelaufenthalt stärkten sich Schüler und Lehrer, versehen mit vielen Eindrücken und Diskussionsthemen, in einer gemütlich-eleganten Pizzeria am Altmarkt, wobei der Weg dorthin zuvor noch an den weiteren baulichen Sehenswürdigkeiten des Rathauses und der Kreuzkirche vorbeigeführt hatte. Nach dieser leckeren Verpflegung ging es dann zum Highlight der Studienfahrt, dem Besuch des Staatsschauspiels Dresden. Aufgeführt wurde das kontroverse Stück „Graf Öderland / Wir sind das Volk“ nach Max Frisch. Erwähnenswert ist vor allem die Aktualität dieses Stückes, in welchem die „Pegida-Bewegung“, ein großes Thema Dresdens und unserer gesamten Republik, aufgearbeitet wird. Die schonungslose Darstellung von Radikalisierungstendenzen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe, aufwühlende Sprechchöre und eine eindrucksvolle Bühnengestaltung wirkten noch lange nach und boten zum wiederholten Mal auf dieser bedenkenswerten Abiturfahrt Stoff für spannende und kontroverse Diskussionen, zum Beispiel auch über die Fähigkeit eines Theaters, gesellschaftliche Veränderungen nicht nur darzustellen, sondern auf diese auch einzuwirken. (Vgl. hierzu auch Artikel „Theater trifft drastische Realität in Dresden auf der Abiturfahrt der W13 der FOS Passau“ auf der Homepage der Beruflichen Oberschule Passau sowie PNP-Artikel über diesen Theaterbesuch vom 12.1.2015)
Am folgenden Vormittag, vor der Abfahrt am frühen Nachmittag, hatten alle Mitglieder unserer W 13 – Abiturfahrtgruppe noch Zeit, in kleinen Gruppen die Prager Straße und die umgebende Innenstadt zu erkunden, sei es zur Jagd auf weitere Kulturdenkmäler oder um noch Geschenke und „Reiseandenken“ zu erwerben. Unsere Rückkunft nach Passau erfolgte dann nach einer Busfahrt durch sehr schöne Landschaften in den Abendstunden des 8. Januar.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Abiturstudienausflug, vom 6. bis 8. Januar 2016, eine sehr interessante, heitere und aufregende Zeit, abseits des gewohnten Schulalltags war, in der vielschichtige Eindrücke gesammelt werden konnten, sei es im Hinblick auf Kunstgeschichte, Malerei, Baustilkunde, deutsche und europäische Geschichte, Dresdner „Szene“-Viertel oder auch bezogen auf das politische Denken und Fühlen im Osten und Westen Deutschlands am Beginn dieses Jahres 2016.

Claudia Sachling (W13) mit Veronika Zels, StR und Michael Dominik, OStR, Klassenleiter W 13

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