„Die Regale sind schon ab und an SEHR verwüstet! An Stresstagen hat man da seine Müh‘ und Not, dass wir bis zur Öffnung um 10 Uhr wieder Ordnung hergestellt haben.“

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Das Radio-Team 2015/16: von links nach rechts: Michael Peter, Nathalie Hentschke, Timm Dreessen, Stephan Breuherr, fehlend: Anna Russ

Die Interviewte Frau Hausschild ist nicht etwa Angestellte bei einem Kleidungs-Discounter oder Servicekraft an einem Selbstbedienungsbuffet. Nein, sie ist die gute Fee der Europabücherei in der Schießgrabengasse 2. Dass Bücherwürmer derart „hausen“, darüber waren das Leiterteam Lukas Schenk und Julia Gais, sowie die Jung-JournalistInnen des diesjährigen Radio-Workshops sehr erstaunt – und amüsiert. Anna Russ, Nathalie Hentschke, Stephan Breuherr (alle S 11b), Michael Peter (F11) und Timm Dreessen (W12a) fanden in Frau Hausschild und dem Leiter der Europabücherei Herrn Kollmorgen auskunftsfreudige, geduldige (!) Interviewparter, die auch ein zweites, drittes, viertes Mal – wir waren Dauergast – für Atmo-Geräusche und andere O-Töne zur Verfügung standen, wenn die inhaltliche oder akustische Qualität abermals nicht unseren Ansprüchen an professionelles Radio genügte. Wie gut, dass die Lokalität gleich ums Eck ist!
Die Idee, einen Beitrag als Reportage vor Ort über diese Passauer Institution zu „bauen“, war - ehrlich gesagt - aus der Not geboren. Der Radio-Workshop fand in diesem Schuljahr zu völlig anderen, erschwerten Konditionen statt: Der Work-Shop war eine freiwillige schulische Veranstaltung, die für alle TeilnehmerInnen einen weiteren wöchentlichen Nachmittags-Termin bedeutete, zwar mit festem Beginn, aber häufig offenem Ende. Da war die Entscheidung für unsere unmittelbaren Nachbarn eine ganz pragmatische und sehr glückliche! Die Nähe des „Tat-Orts“ erleichterte den JournalistInnen im Anfängerstadium ihre Reportageaktivitäten enorm.

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Timm mit Frau Hausschild

Für uns beide, Lukas und mich, stand im 2. Jahrgang unseres Radio- projektes die didaktische Unterweisung und praktische Anleitung im Vordergrund: Die SchülerInnen selbst sollten ohne zu viel Fremdleistung und Korrektur letztlich den Radio-Beitrag erstellen. Im Baukastenprinzip erhielten die SchülerInnen Lektionen verschiedener journalistischer Grundkenntnisse und Kompetenzen: Wie erzählt man eine gute Gschicht‘ (Stichwort: Dramaturgie und Storytelling)? Welche journalistischen Darstellungsformen sind für uns geeignet? Welche Interviewfragen erzielen verwertbare Antworten? Wozu ein Schnittprotokoll? Was macht eine gute Umfrage aus? Wie schreibt man fürs gesprochene Wort? Dass hier andauernd Kernkompetenzen aus dem Deutschunterricht abgerufen werden mussten, sorgte dann doch beim Radio-Nachwuchs für den ein oder anderen Aha-Effekt: „Is doch für was guat…“

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Die Team-Leitung

Unmittelbar im Anschluss an jedes Trockentraining folgte – anders als so oft in der Schule - Übung und Bewährungsprobe in freier Wildbahn. Da wurde dann der persönlichkeitsbildende Aspekt unserer Work-Shop-Arbeit sichtbar: Ohne Berührungsängste auf Menschen zuzugehen, höflich und bestimmt zu fragen, offen und zugewandt zu bleiben, ohne seine Interviewziele aus dem Auge zu verlieren, das wächst einem nur durch leibhaftige Erfahrung zu,- und kann nicht am Bildschirm simuliert werden.
Als schließlich das fertige Beitragsmanuskript stand, musste noch eingesprochen und geschnitten werden. Dank einer eigenen Minimalausstattung an Studiotechnik (Gebrauchter Laptop mit Schnittprogramm und Aufnahmegerät wurden von der Schule zur Verfügung gestellt!) konnte der Beitrag schließlich bei uns im Haus fertig produziert werden. Nach den Dehnübungen für den Sprechapparat („<<Wer gegen ein Minimum an Aluminium immun ist, der besitzt die Minimumaluminiumimmunität>> - 5x in Maximalgeschwindigkeit bitte - ohne Versprecher!“) schlug dann die Stunde von Nathalie und Michi. Unbekümmert und dennoch professionell sprachen beide den Beitrag ein. Dabei galt es zu beachten: Nicht nur die Stimme, auch Mimik und Gestik des Sprechers folgen und unterstreichen den Sinn des Manuskripttextes! Dass beide mit ganzem Körpereinsatz vor dem Mikro gearbeitet hatten, hört man, finden wir. Die Ausstrahlung fand schließlich an unserem Wunschtermin, dem „Tag des Buches“, bei unserRadio statt.

Unser Fazit: Angela Merkels spontane „Handreichung zur Krisenbewältigung“ machten auch wir uns im Verlauf des Work-Shops zu eigen: „Wir schaffen das!“- die mehrdeutige Phrase diente oftmals als Versicherung, Appell und Anreiz zugleich für unsere kleine „5-Freunde“-Truppe: Anna, Nathalie, Michael, Stephan und Timm. Dass es gelegentlich auch positive Selbstaffirmation der beiden mitunter zweifelnden, nie verzweifelnden Leiter des Workshops war, sei hier nicht (mehr) verschwiegen. Aber aufgeben gilt nicht! Und am Ende zählt, was bleibt: Ein Beitrag, zu dem JEDER seinen Beitrag geleistet hat und an dem, trotz - oder wegen - großer Hingabe und Einsatz, JEDER gewachsen ist. 

Die Reportage gibt’s zum Download und Nachhören hier auf unserer Homepage! Hört rein!

Julia Gais  

Audiodatei (MP3): Tag des Buches in der Europabücherei