Das erste Schuljahr der neuen Klasse "Gesundheit" der FOS/BOS geht zu Ende - Schüler, Lehrer und Einrichtungen sind überzeugt - Kaum Probleme

von Sabine Kain, PnP

Auf dem Stundenplan von Lehrerin Doris Hillinger stand im vergangenen Schuljahr immer wieder Klinkenputzen. Es war nicht einfach, in Stadt und Landkreis genügend Praktikumsstellen für die neue Klasse Gesundheit an der FOS/BOS Passau zu finden.
Der Schulversuch, für den in Niederbayern einzig Passau den Zuschlag erhielt, entwickelte sich dennoch zum Erfolg, wie Lehrer, Schüler und Einrichtungen nun
zum Ende des ersten Schuljahres, einhellig bestätigen. Nur wenige Dinge fielen im Praxistest durch.
"Es hat sich gut angelassen", sagt Schulleiter Dr. Reinhold Haggenmüller und Doris Hillinger ergänzt: "Wir sind sehr erfreut über das erste Jahr. Die Schüler haben
echtes Interesse, das merkt man im Praktikum." Der Schwund ist gering: Von 45 FOS-Schülern, die im September das Schuljahr anfingen, werden es 43 beenden. An der BOS schließen heuer 14 Schüler mit Fachabitur "Gesundheit" ab: hier fehlt einer. Am spezialisierten Lehrplan habe es bei den drei Abgängen nicht gelegen, versichern Haggenmüller und Hillinger. Ein wenig Schwund sei immer. Mehr Gedanken mussten sich die Organisatoren des neuen Zweigs über die zwingend notwendigen Praktikumsplätze machen. Ein Fitnessstudio sprang ab, weil es für die Schüler nicht genügend Arbeit hatte. in mancher Praxis wurde Doris Hillinger nicht einmal bis zum Arzt durchgestellt und auch Apotheken erwiesen sich als schwierige Praktikumsplätze, weil in vielen fast nur noch verkauft wird. "Jch hab' schon viele Absagen bekommen". sagt Hillinger. Dass der Plan trotzdem aufging, sei auch dem Engagement der Schüler zu verdanken, lobt sie: "Die haben selbst einige, zum Teil wirklich gute Stellen akquiriert." Aktuell wird die Klasse Gesundheit von 35 Partnern in Passau und dem Umland unterstützt, Doris Hillinger sucht aber auch weiterhin Praktikumsstellen. Die guten Erfahrungen des ersten Jahres sollen dabei helfen.

Gewinn für Schüler und Einrichtungen:

Es ist ein Gewinn für beide Seiten, wie eine Umfrage unter einigen der Partner belegt (siehe rechts). "Unsere Schüler haben meist sehr, sehr gute Beurteilungen bekommen". weiß Doris Hillinger.
Auch wenn manche sich schwer taten, an ihren Praktikumsplätzen "die Arbeit nicht gesehen" oder kommunikative Schwächen gezeigt haben: Die Resonanz der teilnehmenden Einrichtungen ist äußerst positiv. Und: "Unsere Schüler durften oft mehr mitarbeiten als wir es anfangs gedacht hatten, zum Beispiel Akupunkturnadeln ziehen", erzählt die Lehrerin, "aber natürlich unter Aufsicht", ergänzt sie, schließlich gelten im Gesundheitssektor strenge Auflagen.
Bei ihren fachpraktischen Einsätzen profitierten die Schüler der Klasse Gesundheit vom spezialisierten Lehrplan, der ihnen bereits in der Schule wichtige Grundlagen für die Arbeit im Gesundheitssektor vermittelt. Patientenkommunikation, Trauer- und Stressbewältigung, Interaktion und sogar Interkulturalität werden von der 11. bis 13. Jahrgangsstufe gepaukt. Ein Schüler war im Bäderdreieck in einer physiotherapeutischen Einrichtung, die viele arabische Kunden hat. Da konnte er das Wissen sehr gut brauchen", plaudert Doris Hillinger aus dem Nähkästchen.

50 Anmeldungen für das neue Schuljahr:

Die Möglichkeiten, die den Absolventen der Klasse Gesundheit offen stehen, sind vielfältig ... "Einer unserer Schüler möchte Pharmazie studieren, ein anderer will eine Ausbildung zum Physiotherapeuten machen". erzählt die Lehrerin. Zur Wahl stehen auch viele weitgehend unbekannte Berufe, zum Beispiel die Stomafachkraft. Während der erste Jahrgang an der FOS nun in die 12. Klasse aufrückt und sein Fachabitur in Angriff nimmt, sind schon wieder 50 Schüler für die nächstjährige 11. Klasse im Zweig Gesundheit angemeldet. Doris Hillinger ist überzeugt, dass aus dem Schulversuch ein dauerhaftes Angebot wird, denn "das ist ein Zweig, der Zukunft hat".

Das sagen die Partner:

"Für uns ist das ein Gewinn", sagt Dr. Rüdiger Kralfinger vom KIB-Nierenzentrum Fürstenzell über die Klasse Gesundheit. ."Es wäre schön, wenn wir immer einen Praktikanten hätten."
Dr. Karl Hansbauer von der Gemeinschaftspraxis in Germannsdorf nennt die FOS/BOS-Schlüler "eine ganz andere Hausnummer als andere Schülerpraktikanten.
Ich habe keinen Grund zur Klage."
Die "sehr gute Betreuung durch die FOS" lobt Oliver Kort vom Füssinger Johannesbad. Als einziges Manko nennt er die anfangs kurzfristigen Absprachen, "aber es ist auch am ersten Schultag erst klar, wie viele Schüler es sind".
"Nur Gutes" kann Sylvia Seider von der Suchtberatung am Landratsamt berichten. Die Klasse sei "eine gute Möglichkeit, die Schüler mit dem Themenfeld Gesundheit vertraut zu machen".
Die AOK profitiere vom frischen Wind, den die Praktikanten mitbringen, weil sie sich mit innovativen Ansätzen für Gesundheitstage oder Aktionen einbringen", sagt Sprecher Andreas Windpassinger.
Am Krankenhaus Vilshofen macht sich vor allem der vorberereitende Pflegekurs bezahlt. "So können wir die Praktikanten noch mehr Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten". erzählt Sprecherin Kerstin Klinger.
Alle genannten Einrichtungen würden wieder Schüler der Klasse Gesundheit bei sich aufnehmen.

Klasse Gesundheit:

Profilfächer: Biologie. Chemie, Kommunikation / lnteraktion, Rechts-/Wirtschaftslehre, Gesundheitswissenschaft.
Praktikum: Die Schüler absolvieren eine 20-wöchige fachpraktische Ausbildung bei Einrichtungen in der Region.
Arbeitsfelder: Die Klasse zielt auf Tätigkeiten in Prävention, Diagnostik, Therapie, Pflege.

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Lukas Eichinger(17), Bad Fiüssing: "Ich hab' im Johannesbad ein Praktikum gemacht und war im Pflegebereich gut eingegliedert. Ich durfte selbstständig arbeiten und es hat alles reibungslos funktioniert. Und auch die Schule ist zu schaffen." LE

Sonia Radu (18), Passau: "Auch der Pflegehelferkurs, den wir am Anfang als Vorbereitung auf die Praktika in der Schule machen, ist total hilfreich. Ich hab' das zum Beispiel gemerkt, als ich mein Praktikum in der Notaufnahme gemacht hab".


Eva Herrmann(18), Passau:
"Ich hab' unter anderem in einern Fitnessstudio mitgearbeitet. Da konnte ich viel aus dem Unterricht zu Kommunikation, Psychologie und Interaktion anwenden, z.B. in den Verkaufsgesprächen."

SREH
Lukas Lenz (18),Tittling: "Ich bin am KfH-Nierenzentrum Passau gewesen. Praktika sind gut, um einen Einblick ins Berufsleben zu kriegen. Am KJH hab' ich mich wie ein vollwertiges Teammitglied gefühlt. Es hätte ruhig länger dauern können." LL
Lisa Wagner (19), Passau: "Ich dachte, man hätte es bei der AOK mit einemlangweiligen Büro-Job zu tun. Nun ist mir klargeworden, wie umfassend die Kundenkontakte sind. Ich möchte einen Job ergreifen, mit dem ich Menschen helfen kann." LW
 
Im Einsatz fürs Rote Kreuz: FOS-Schülerin Hannah Germ (17) absolvierte ein Praktikum beim Rettungsdienst in Passau. - F.:Germ/Kain/AOK