„Wenn alles surft und einer spricht, das nennt der Mensch dann Unterricht …“ – nein, so krass hat sich der alte Spruch natürlich nicht geändert, nicht nur, weil Smartphone-Freizeiten im Unterricht tabu sind.

Schilf02 

SchiLF

Auf den Prüfstand gehoben, wirkt der Satz aber gar nicht so dumm. Denn: Von der Ressource „Redezeit“ verbrauchen Lehrkräfte tatsächlich oft allzu viel selber. Überdies: Junge Leute sind ja wirklich gerne im Netz unterwegs und da technisch meist auch ziemlich versiert. - Also?

Also: Man zieht die Konsequenzen im Sinne von „Flipped Classroom“. Im universitären Bereich spricht man von „Inverted Classroom“, mithin dem „umgedrehten Unterricht“. Funktionieren tut es so: Lehrkräfte stellen die Unterrichtsinhalte als Wissenspaket zusammen, z. B. als Videos. Die Schüler/-innen rezipieren diese zu Hause im eigenen Tempo und klären Schwierigkeiten entweder untereinander oder mit dem / der Filmschaffenden. Entsprechend vorbereitet können die jungen Menschen dann im Unterricht gleich als Experte oder Expertin loslegen. Die Lehrkraft ist bei den Problemlösungen im Unterricht im Wesentlichen nur noch beratend dabei.

Wie man das umsetzt und wie man solche Videos überhaupt herstellt, das klären gerade einige unserer Lehrkräfte unter der Ägide von Herrn Ott, der „Flipped Classroom“ seit mehreren Jahren sehr erfolgreich und mit ansteckender Begeisterung in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern umsetzt. Bei einem ersten gemeinsamen Treffen unserer Schulinternen Lehrerfortbildung (SchiLF) am Dienstag, 15.11.2016 ging es um grundsätzliche Aspekte beim Erstellen von eigenen Videos, also Aufnahme, Schnitt, Tonspur bis hin zum Hochladen. (Natürlich hatten wir uns zu Hause auch schon über Flipped Classroom und die Videobearbeitung kundig gemacht - über Die Ott-Casts Erklehrvideos®, klar.)

Wenn wir uns in dieser SchiLF auch sehr mit der Erstellung von Videos beschäftigen, das wichtige am FC sei die gewonnene Zeit im Unterricht, so Herr Ott. Die in der nächsten Zeit für die verschiedenen Fächer erstellten Videos werden dann in den Klassen erprobt – das sind sozusagen die „Abschlussarbeiten“ an unserer kleinen Filmhochschule.

„Give the classroom back zu the pupils!“, so der Wahlspruch der „Flipped Classroom“-Bewegung – ein vielversprechender Ansatz. Selbstkritisch könnte man sich als Lehrkraft freilich fragen: Hatten es die Schüler/-innen denn schon mal, ihr Klassenzimmer?

Stephan Reiter, OStR