Am 21.12.2016 konnte ein Teil des Seminars „Bier in Bayern und der Welt“ den Apostelbräu in Hauzenberg im Rahmen einer Exkursion besuchen. Die Seminargruppe wurde zunächst vom Inhaber Rudi Hirz begrüßt und durch die einzelnen Teile der Brauerei geführt.

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Die Exkursionsteilnehmer v.l.n.r. Julian Ellersdorfer (W13a), Karina Klessinger (S13a), Jonas Gsödl (W13a), Fabian Rauscher (S13a) mit Brauereiinhaber Rudi Hirz. Foto: Jungwirth

Parallel dazu hielt Herr Hirz einen Vortrag zur Geschichte und Entwicklung seines Unternehmens und v.a. zu den Besonderheiten, die den Apostelbräu kennzeichnen.
So bekamen die Seminaristinnen und Seminaristen einen recht tiefgehenden Einblick in das Brauwesen und das Führen einer Brauerei. V.a. aber erhielten die Teilnehmer eine Vielzahl an Informationen und Erkenntnisse, wie sich eine so kleine Brauerei durch neue Ideen und findigem Unternehmertum am hart umkämpften Biermarkt behaupten kann.
Der Apostelbräu zählt zwar zu den kleinsten Brauereien des Landkreises, sicherlich aber mit zu den innovativsten in ganz Bayern. Nachdem Rudi Hirz im Jahre 2005 die Brauerei von seinem Vater übernommen hatte, begann er bereits 2006 das Dinkelweißbier „La Bianca“ nach Italien zu exportieren.
Die Traditionsbrauerei, deren Wurzeln bis in das Jahr 1890 zurückgehen, ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet, die sie von modernen Großbrauereien wesentlich abheben. So verfügt die Brauerei z.B. über eine direkt befeuerte Sudpfanne aus Eisen. Besonders daran sind zwei Aspekte: Erstens das Material Eisen, welches laut Herrn Hirz Ionen an den Sud abgibt (heutige Sudpfannen bestehen aus Edelstahl, ältere aus Kupfer). Und zweitens die direkte Befeuerung, welche einen gewissen Karamellisierungseffekt im Sud erzeugt.
Laut Rudi Hirz waren die letzten Jahzehnte nicht nur von einem Brauereisterben, sondern auch von einem Mälzereisterben gekennzeichnet. Diese Konzentrationsprozesse führten dazu, dass es mittlerweile nur noch ein bis zwei Bezugsquellen für Braumalz gibt. Aber auch hier zeichnet sich der Apostelbräu durch ein Alleinstellungsmerkmal in der Bayerischen Brauereilandschaft aus. Die Brauerei verfügt über eine eigene Trommelmälzerei und kann ihr Braumalz daher selbst herstellen.
Diese Möglichkeit, das eigene Malz für sein Bier herzustellen, nutzt Rudi Hirz, um mit „alternativen“ bzw. „traditionellen“ Malzsorten zu experimentieren und diese für seine Biere zu verwenden. Mit Dinkel statt Gerste hat sich der Apostelbräu einen Namen gemacht (das erste Dinkelbier wurde bereits 1990 hergestellt). Aber auch die Verwendung anderer, traditioneller und damit zugleich innovativer Getreidesorten wie Emmer, Einkorn und Schwarzer Hafer zeichnen die „Bierwelt Hirz“ aus.
Der Trend Craft-Beer, entstanden in Amerika, hält seit einiger Zeit auch in Deutschland Einzug. Unter Craft-Beer versteht Herr Hirz, abweichend von der offiziellen Definition, immer etwas Innovatives, abseits des Mainstreams. Rudi Hirz braut bereits seit 2011 ein englisches Bier, ein Pale Ale, womit er der erste in ganz Bayern war der dem Trend folgt (deshalb der Name 1ST BAVARIAN PALE ALE). Diese Innovation eröffnete der kleinen Brauerei aus Hauzenberg den US-Markt, der sich wesentlich aufgeschlossener gegenüber modernen Trends und Entwicklungen zeigt als der Deutsche bzw. Bayerische Biermarkt.
Neue Ideen im Bereich Craft-Beer werden ebenfalls von Rudi Hirz entwickelt. So lagert er einige seiner Biere zur Nachreifung in gebrauchten Eichenfässern. Dadurch, dass diese Fässer z.B. für die Rum- oder Whiskeyreifung verwendet wurden, nimmt das Bier Geschmacksnuancen der früheren Inhalte an.
Um sich am Markt für Craft-Beer behaupten zu können, hält Rudi Hirz ständig Ausschau nach Innovationen und neuen Trends. Hierzu zählt er z.B. die Vergärung von Bier in Weinfässern mit Weinhefe, wodurch sogenanntes „Sour Beer“ entsteht.
Das Unternhemen Apostelbräu ist, neben der eigentlichen Bierherstellung, auf weiteren Standbeinen errichtet. Unter anderem beschäftigt sich Rudi Hirz mit der Herstellung von hochwertigem Essig und Essigprodukten. Auch ein sehr altes Brennrecht, das auf der Brauerei liegt, hat er wiederaufleben lassen und nutzt dieses zur Whiskey Herstellung. Um auch den Bereich der Gastronomie abzudecken und gleichzeitig eine Absatzquelle für die Brauereiprodukte zu eröffnen, führt Herr Hirz direkt neben seiner Brauerei ein eigenes Lokal mit der Bezeichnung Birreria (Mischung aus Bier und Pizzeria). Zu guter Letzt sei das im Apostelbräu eingerichtete Brauereimuseum erwähnt. In mühevoller Kleinarbeit hat Rudi Hirz historische Gerätschaften rund ums Thema Bier brauen gesammelt, bis er schließlich den kompletten Brauprozess, also eine vollständige historische Brauerei, mit den Maschinen nachempfunden hat.

Für die Teilnehmer des Seminars lieferte diese Exkursion tiefgehende Einblicke in die Führung eines kleinen Unternehmens und die Erkenntnis, dass man sich mit Mut, Ideenreichtum und Unternehmergeist auch auf solch umkämpften Märkten behaupten kann. Sollte nun Ihre Neugier geweckt sein, empfiehlt sich ein Besuch des Apostelbräus, ob in Form einer Exkursion mit Führung, eines Familienausflugs mit Rundgang durchs Museum oder auch nur als kleine Pause mit Bier und Pizza.
Der Apostelbräu in Hauzenberg ist auf jeden Fall eine Reise wert!

Thomas Jungwirth, OStR