Kennt ihr das? Ihr sitzt am Sonntag mit euren Eltern und Großeltern beim gemeinsamen Familienessen und erzählt voller Stolz über eure neuste Errungenschaft, ein neues Handy, die neuesten Sneaker oder ein anderes Produkt.

Irgendwann in diesem Gespräch kommt dann zwangsläufig die Frage auf, was das denn gekostet habe. Und die Reaktion bleibt auch zwangsläufig die Gleiche: „600 Euro für ein Handy? Das waren ja mal 1200 D-Mark!“. Mittlerweile ringt mir diese Aussage nur noch ein müdes Schmunzeln ab.
Aber war damals das Geld wirklich mehr wert? Woran wird das gemessen? Und wer bestimmt eigentlich, was ich für mein Geld bekomme?
Über diese und weitere Fragen informierten sich vier Klassen der FOS/BOS Passau im Rahmen des VWL-Unterrichts bei dem Vortrag „Die Geldpolitik des Eurosystems“ von Helmut Wahl, Vorstandsmitglied und Teil des Stabs des Präsidenten der Deutschen Bundesbank.
Wir sind der Meinung, dass dieses Thema nicht nur die Wirtschaftsklassen interessieren dürfte! Also bekommt ihr im Folgenden einen kurzen Überblick über die Geldpolitik des Eurosystems:
Zu Beginn seines Vortrages erklärte uns Herr Wahl, warum sich die Europäischen Staaten zu einer Wirtschafts- und Währungsunion zusammengeschlossen haben und dass zwar jedes Land eine eigene Wirtschaftspolitik betreibt, die Geldpolitik jedoch europaweit von der Europäischen Zentralbank übernommen wird. Die EZB wird durch ihren Vorstand und den EZB-Rat geleitet, in welchem Vertreter der einzelnen Mitgliedsländer sitzen. Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität des Euros zu wahren.
Wenn dies jedoch das Ziel ist, wie kann es dennoch sein, dass unser Geld mit der Zeit an Wert verliert?
Um diese Frage zu beantworten, muss man erst klären, wie sich die Kaufkraft des Geldes verändern kann. Einerseits gibt es hier die Inflation, bei welcher man mehr für Produkte zahlen muss. Das heißt, die Preise steigen bzw. der Geldwert sinkt. Andererseits gibt es die Deflation, bei welcher die Preise sinken bzw. die Kaufkraft des Geldes steigt.
Gemessen werden diese beiden Größen an dem Verbraucherpreisindex, einem Warenkorb, dessen Wert in regelmäßigen Abständen ermittelt wird. Man kann also sagen, wenn der Preis dieses Warenkorbs steigt, sprechen wir von Inflation und von Deflation, wenn er sinkt.
Aber wie hängt das jetzt mit der Arbeit der EZB zusammen?
Die Aufgabe der EZB ist es nun, die Inflation und Deflation in einem gesunden Maß zu halten; dies nennt man dann Preisstabilität. Der Grenzwert für die Preisstabilität liegt bei unter, aber nahe 2 %, um für ein ständiges Wirtschaftswachstum zu sorgen, gleichzeitig aber zu verhindern, in die Deflation abzurutschen.

Die EZB versucht diesen Wert zu halten, indem sie die Zinsen reguliert, zu denen sie den Geschäftsbanken Geld leiht. Gibt die EZB Geld mit niedrigen Zinsen aus, können die Geschäftsbanken dieses Geld ebenfalls mit geringeren Zinsen an die Haushalte und Unternehmen weitergeben, wodurch man die Menschen dazu anregt, billige Kredite aufzunehmen und mehr zu konsumieren. Gerät dieses Verhalten außer Kontrolle, können die Zinsen wieder erhöht werden, um die Menschen mehr zum Sparen anzuregen.

Leider gestaltet es sich in der Realität trotzdem so, dass die Verschuldung der meisten EU-Mitgliedsstaaten steigt. Dies hat zur Folge, dass die EZB sich dazu entschlossen hat, den Leitzins von 4,25 % auf 0,05 % bzw. seit dem 16.03.2016 auf 0,00% zu senken. Ebenfalls wurden Anforderungen an die hinterlegten Sicherheiten bei Refinanzierungskrediten von A- auf BBB- gesenkt, um mehr Kredite an schlechter eingestufte EU-Länder geben zu können
Andererseits sind die Zinssätze, welche die Banken bei der EZB für Einlagen bekommen, sogar im negativen Bereich, was wir damit zu spüren bekommen, dass wir auf Einlagen auf z.B. Girokonten bei der Bank, kaum noch Zinsen bekommen. Wenn gleichzeitig Kredite zu äußerst günstigen Konditionen vergeben werden, benachteiligt dies Sparer und gewährt Schuldnern einen Vorteil.
Die EZB will mit dieser Niedrigzinspolitik die Bankkunden zum Konsum anregen. Wir sollen unser Geld, für das wir bei der Bank kaum Zinsen bekommen, lieber ausgeben und zudem noch die günstigen Kredite aufnehmen. Damit soll die Wirtschaft angekurbelt und durch die steigende Nachfrage sollen höhere Preise erreicht werden.
In Deutschland verhilft uns diese Politik im Moment zu einem hohen Lebensstandard, in anderen EU-Staaten sieht es - wie wir alle wissen - jedoch ganz anders aus. Diese Geldpolitik ist keine Gesamtlösung, sie erkauft nur Zeit. Um den Euro stabil zu halten, müssen weitere Strukturreformen in ganz Europa durchgeführt werden und fiskalpolitische Kompetenzen auf die europäische Ebene übertragen werden. Die momentane Niedrigzinspolitik kann kein Dauerzustand sein, da die Zinsen nicht mehr weit sinken können.
Nun, da wir euch einen Einblick in die Arbeit der EZB gegeben haben, wollen wir euch auch nicht mehr auf die Folter spannen. Mit der Zeit ändern sich in unserem System natürlich die Preise von Waren und Dienstleistungen, jedoch steigen auch die Löhne und Gehälter. Somit bleibt unser Lebensstandard gleich hoch und meistens verbessert er sich sogar! Es bleibt abzuwarten, was sich in den nächsten Jahren ändern wird! Wer sich hierfür interessiert, kann sich unter www.bundesbank.de auf dem Laufenden halten.

Florian Schadenfroh und Jonathan Krieger (Klasse BW12b)

 

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