Bischof Stefan Oster im Gespräch mit Schülern der FOS/BOS
(PNP, 13.5.2017)
Die Kluft zwischen jungen Leuten und der Kirche, das Nein der katholischen Amtskirche zur Homo-Ehe oder zu Frauen am Altar – mit sehr persönlichen und durchaus kritischen Fragen haben die Schüler der FOS/BOS Bischof Stefan Oster konfrontiert ...

Oster

... der auf die Initiative von Schülersprecher Thomas Müller hin an die Schule in der Heiliggeiststraße kam.
FOS-Sprecher Serhat Akkaya (20) thematisierte die wachsende Diskrepanz zwischen Jugendlichen und katholischer Kirche. Bischof Oster sah ein Glaubwürdigkeitsproblem der Amtskirche. Gründe dafür, dass ihr viele jungen Leute den Rücken kehren, seien das Thema Sexualität, aber auch die Meinung, Glaube und wissenschaftliches Weltbild ließen sich nicht vereinbaren. Die Amtskirche habe keine Antwort, jungen Leuten überzeugend in den Glauben zu helfen, räumte Oster ein. Die Sozialisation in katholischem Kindergarten, Schule, Firmunterricht und Jugendgruppe funktioniere nicht mehr.
Er habe von Priestern und Lehrern keine Antworten auf seine Fragen erhalten, bestätigte ein Schüler. "Es ist noch nicht zu spät", sagte der Bischof, der darin Ähnlichkeiten zur eigenen Biographie sah. Er selbst habe nicht aufgehört, zu suchen und Menschen gefunden, die überzeugten und Mittler zum Glauben waren. Er wünschte dem Schüler, er könne solche Personen kennenlernen.
Jonathan Krieg (20) fragte nach einer plausiblen Erklärung für die Existenz von Gott. Um herauszufinden, wer ein Mensch wirklich ist, helfe die Wissenschaft nicht weiter, sagte der Bischof. Es gehe um eine persönliche, eine andere, zwischenmenschliche Ebene, die die Naturwissenschaft nicht zeigt, zum Beispiel um Vertrauen. Er finde es wichtig, eigene Gedanken, eigene Moral und Weltanschauungen zu finden, konterte der Schüler. Warum solle er das übernehmen, was die Kirche sagt. Es sei falsch, andere überzeugen zu wollen.
"Wenn ich ein Rattenfänger wäre, wurde ich wollen, dass Sie mir nachlaufen", antwortete der Kirchenmann. Er wolle vielmehr das vermitteln, was Ostern ausmacht. Christus zu finden, bringe Freiheitserfahrung. Er glaube, dass Gott im tieferen Sinn Person ist, zu der man Du sagen kann, antwortete er Serhat Akkaya. Die Menschen seien nach Gottes Ebenbild geschaffen. Es gehe um Beziehung. Dies sei kein Gegensatz zur Naturwissenschaft, sondern ein anderer Code, die Natur zu verstehen.
Ein Schüler outete sich als Homosexueller. Er habe ein Problem mit einer Aussage des Bischofs zur Homosexualität, empfinde diese als Ausgrenzung. Er lebe in einer Partnerschaft mit einem anderen Mann. Diese sei genauso viel wert wie eine heterosexuelle Partnerschaft. Jeder Mensch sei eine Person mit Würde und zu respektieren, sagte der Bischof. Jesus fordere, ihn mehr zu lieben als alles andere, um seiner würdig zu sein. Dies bedeute nicht, dass der Schüler nicht willkommen ist.
Serhat Akkaya sah in der Haltung der Kirche zur Sexualität oder zum Dienst von Frauen am Altar einen Widerspruch zur Aussage, der Mensch sei Ebenbild Gottes. Jesus sei gekreuzigt worden, damit die Menschen neue Menschen würden, so der Bischof. Es gehe um Liebe. Die Menschen neigten jedoch in einer Liebesbeziehung zur Besitzergreifung. Sie seien, egal welche sexuelle Orientierung sie haben, erlösungsbedürftig. Zum Thema Frauen und Führungskräfte sagte er, eine seiner ersten Amtshandlungen sei gewesen, eine Frau in den Ordinariatsrat zu berufen.
Ja, die Kirche leiste Integrationshilfe für Flüchtlinge, sagte Oster den Schülern. Hier würden sich Christen von anderen Religionsgemeinschaften abheben, weil sie nicht schauen, ob die Schutzsuchenden den gleichen Glauben teilen. Jonathan Krieg (20) widersprach. Er werde von Buddhisten warmherzig aufgenommen, während nicht alle Christen offen gegenüber Flüchtlingen seien. 90 Prozent der Getauften kämen nicht mehr in die Kirche, erklärte der Bischof. Die Willkommenskultur in Deutschland, wo Dreiviertel der Menschen christlichen Konfessionen angehören, sei aber beispielhaft in der Welt gewesen.
Es lohne sich, für Jesus sein Leben zu lassen, sagte ein junger Mann und fragte nach dem Unterschied zum Islam, in dem ebenfalls Menschen ihr Leben für den Glauben ließen. Oster betonte die Qualität der Liebe, die von Christen gelebt werde. Sie wirkten überall dort, wo Menschen in tiefster Not sind, zum Beispiel wie Mutter Teresa. Meliha Fazlic sah dies auch bei Muslimen gegeben.
Oster erzählte zu Beginn über seine Jugend, in der er beeindruckende, überzeugende Menschen des Glaubens kennengelernt habe. Antworten auf seine Fragen zu den Themen Gerechtigkeit und Liebe habe er weder in der Philosophie noch im Buddhismus oder Hinduismus gefunden. Er habe dann erkannt, dass es keine Gestalt gibt, die diese Fragen intensiver beantworte als Jesus und zu verstehen versucht, was die Kirche lehrt. Das habe sein Leben dramatisch verändert. Er sei mit 30 Jahren in den Orden der Salesianer Don Boscos eingetreten. Er glaube, jemanden verkünden zu können, für den es wert sei, zu leben und zu sterben. Er verbinde die Beziehung zu Jesus mit Heil.
Schulleiter Dr. Reinhold Haggenmüller, der zu Beginn den Bischof und seine Biographie vorgestellt hatte, freute sich am Ende über die gelungene Veranstaltung mit individuell geprägten Fragen der Schüler, die einmalig in der Geschichte der FOS/BOS sei. Ziel des Dialogs sei gewesen, sich angesichts der immer größer werdenden Kluft zwischen säkularer und kirchlicher Welt kennen zu lernen und zu spüren, dass auf der jeweils anderen Seite freundliche Menschen sind, sagte Religionslehrer Josef Feigl, der die Veranstaltung moderierte. Auch er betonte die "spannende, fruchtbare Atmosphäre" des Dialogs.

Der TV-Beitrag zum Bischofsbesuch ist online unter:

https://www.youtube.com/watch?v=SSEnxM1w4E8
http://www.bistum-passau.de/aktuelle-meldungen/11/5/2017/jugend-und-kirche

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