Die Vermittlung demokratischer Werte in der Offiziersausbildung der Bundeswehr, der Umgang mit dem NATO-Partner Türkei, Eskalationen in Syrien, Terrorabwehr, Gefahren durch unberechenbare Diktatoren – Brandaktuelle Hintergrundanalysen zu zentralen Fragen im Bezug auf die deutschen Streitkräfte sowie zu gefährlichen Krisenherden, recherchiert am ehemaligen Einsatzort von Vladimir Putin in Deutschland:

Die Studienfahrt des Seminars Sicherheitspolitik nach Dresden mit dem Besuch der Offiziers-schule des Heeres

Das sechsköpfige Seminar Sicherheitspolitik der 13. Klassen besuchte mit Herrn Dominik, der als Seminarleiter diese äußerst aufschlussreiche Studienfahrt organisiert und in verschiedenen Seminarsitzungen vorbereitet sowie zusammen mit den Fachexperten vor Ort betreut hatte, die Elbmetropole Dresden. Der Ankunftstag war - trotz eisiger Kälte – geprägt von einer hochinteressanten, auch seminarthemenbezogenen Stadtführung und dem Kennenlernen des Dresdner Kulturlebens.
Bei dieser Stadtführung, welche der Seminarleiter selbst durchführte, wurden weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie die Frauenkirche mit ihrer imposanten Kuppel, der Zwinger, das Stadtschloss sowie die Semperoper besichtigt. Weiterhin wurden bei diesem Stadtrundgang auch die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg als Folge von Hitlers verbrecheri-schem Angriffskrieg, die Bedeutung Dresdens als Garnisonstadt im Sächsischen Königreich, im Kaiserreich, im 1. Weltkrieg, in der Weimarer Republik, im 2. Weltkrieg, in der DDR, auch als Standort einer großen russischen Garnison sowie als Stationierungsort des damaligen KGB-Offiziers Vladimir Putin thematisiert, ebenso die Ereignisse der Wendezeit von 1989 bis zur Deutschen Einheit im Oktober 1990 , eng verknüpft mit den jeweiligen Epochen der deutschen und europäischen Geschichte, in dieser Stadt erkennbar als Revolutionsgeschichte von 1848 über den November 1918 bis zum November 1989.
Hiervon ausgehend wurden dabei mit den Seminarteilnehmern aktuelle Brennpunkte der inneren Sicherheit besprochen, zum Beispiel im Hinblick auf die Gefahren durch PEGIDA-Aufmärsche, den Umgang mit gewaltbereiten Fußballfans und die einhergehenden Herausfor-derungen für den Einsatz der Polizei, wie zum Beispiel bei der Absicherung von Großereignis-sen wie Demonstrationen und Fußballspielen.
Somit wurde bei diesem Rundgang durch die geschichtsträchtige Landeshauptstadt aus den ver-schiedensten historischen und tagesaktuellen Perspektiven mit den Seminarteilnehmern die Wichtigkeit zum Ausdruck gebracht, welche dem kompromisslosen Schutz unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung eingeräumt werden muss.
Den Höhepunkt dieser Seminarfahrt stellte am zweiten Tag der Besuch der Offiziersschule des Heeres sowie des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr dar, wobei die theoretischen Analysen aus den Seminarsitzungen der vergangenen Monate nun hier vor Ort mit einsatzerfahrenen Bundeswehrangehörigen und an ausgestellten Originalobjekten in anschaulicher Form erweitert und vertieft werden konnten.
An der Graf-Stauffenberg-Kaserne wurde die Seminargruppe bereits von Hauptmann Heldner, dem zuständigen Jugendoffizier, erwartet und nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellung des Kasernenareals startete der Tag mit einem äußerst informativen und sehr anschauli-chen Vortrag von Oberstleutnant Jarczak zur Geschichte und den Aufgaben dieser Offiziersschule und der Offiziersausbildung bei der Bundeswehr.
Diese Darlegungen waren gleichzeitig auch ein sehr faktenreicher Gang durch die Geschichte der Bundeswehr sowie ihrer Aufgaben, ihrer Einsätze und ihrem Selbstverständnis, ausgehend von den Vorgaben in unserem Grundgesetz.
Dabei erfuhren die Seminarteilnehmer, wie sich der Standort in Dresden seit der Wende entwickelt hat und wie die Offiziersschule organisiert ist. Die Offiziersausbildung im Heer umfasst dabei folgende Ausbildungsabschnitte:
Den Offiziersanwärterlehrgang, eine leicht abgewandelte Form der Grundausbildung, den Praxisaufenthalt, das sogenannte „Truppenkommando“, weiterhin ein vierjähriges Masterstudium an einer der Hochschulen der Bundeswehr in Hamburg oder München, die militärspezifische Ausbildung, inklusive einem Sprachlehrgang für Englisch und der Spezialisierung auf den späteren Einsatzbereich am Ende der Ausbildung sowie die eigentlichen Offizierslehrgänge mit dem Aufenthalt an der Offiziersschule in Dresden.
Die Lehrgänge an der Offizierslehranstalt haben das Ziel, die jungen Offiziersanwärter auf die Offizierstätigkeit vorzubereiten, da sie später nicht nur militärische Einsätze meistern sollen, sondern auch für Leib und Leben der Soldaten ihrer zukünftigen Einheiten verantwortlich sind und durch überdurchschnittliche körperliche sowie geistige Fitness als Vorbild dienen sollen. Deshalb bestehen die Offizierslehrgänge aus einer darauf ausgerichteten Mischung mit folgenden Fächern:
Führung im Einsatz, mit dem Erlernen von Taktiken und Gefechtsplanung, Militärgeschichte als Analyse von vergangenen Kriegen und Gefechten, Wehrrecht mit dem Studium der Rechtsvorschriften für den Einsatz, ausgehend von unserem Grundgesetz, den Military-Fitness-Modulen , intensiven Trainingsprogrammen nach neuesten Methoden sowie der politischen Bildung mit der Vermittlung von nachhaltigem Wissen zu Werten und Institutionen unserer Bundesrepublik Deutschland und zu wichtigen Organisationen wie der EU, der NATO oder den Vereinten Nationen.
Der Unterricht in den Offizierslehrgängen ähnelt einem Universitätsstudium, da die Offiziersanwärter viel selbstständig, meistens in Teams, erarbeiten müssen und das Wissen am Ende durch Klausuren abgefragt wird. Es besteht aber natürlich Anwesenheitspflicht und der Unterricht findet hauptsächlich in Klassengröße statt.
Im Rahmen dieses Vortrages verdeutlichte ein hochrangiger Offizier die Umsetzung dieser benannten Ausbildungsziele unserem Seminar an konkreten Beispielen aus den Einsätzen in Afghanistan, auf dem Balkan oder in Mali. Hierbei erhielt unser Seminar extrem interessante In-formationen zu den Hintergründen dieser Konflikte, bezogen auf den jeweiligen Auftrag, die Einsatzvorbereitung sowie die realen Möglichkeiten der Bundeswehr und ihrer Verbündeten, auch mit Blick auf die Herausforderungen für die NATO durch das aggressive Auftreten Russlands.
Einer der anwesenden Offiziere gehörte zur Waffengattung der Luftwaffe und konnte von seinen Erfahrungen aus Einsätzen mit Tornado-Flugzeugen der Bundeswehr berichten, auch im Hinblick auf deren aktuellen Aufklärungsmissionen über Syrien und dem Irak, von einer Basis in der Türkei aus, verbunden mit spannenden Analysen zu diesem komplizierten geopolitischen Umfeld.
Wie an allen Punkten dieses Vortrages hatten die Seminaristen auch hierbei die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den erhaltenen Informationen ihre Kenntnisse aus den Seminarsit-zungen zu den jeweiligen Krisenherden zu erweitern.
Weiterhin wurde auch die Kehrseite des Soldatendaseins angesprochen, wie etwa im Einsatz gefallene Soldaten, oder Bundeswehrangehörige, die nach einem Einsatz traumatisiert sind und Suizid begingen. Dafür wurde nahe Potsdam der „Wald der Erinnerungen“ als zusätzliche Gedenk- und Trauerstätte der Bundeswehr geschaffen.
Zu den genannten, unterschiedlichsten Aspekten ergaben sich eindringliche Gespräche mit den Offizieren. Die Seminarteilnehmer konnten ihre Fragen zu aktuellen Bundeswehreinsätzen stellen und es entwickelten sich verschiedene Diskussionen, zum Bespiel auch über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren, insbesondere von Feldjägern, welche eine polizeiähnliche Ausbildung genießen und im Ausland bereits am Aufbau von Polizeistrukturen beteiligt waren.
Nach der anschließenden Verpflegung in der Truppenküche auf dem Kasernengelände ging es weiter zum Militärhistorischen Museum.
Dort erwartete ein Einsatzhundeführer der Bundeswehr zusammen mit seinem vierbeinigen Kameraden die Seminargruppe. Veranschaulicht durch einen dreißigminütigen Film mit privaten Aufnahmen, schilderte der Soldat seine Erlebnisse aus seinem zurückliegenden Auslandseinsatz in Afghanistan und beantwortete die Fragen der Schüler hierzu. Ebenfalls erklärte er das Training und den Umgang mit seinem Diensthund in realen Einsätzen.
Hierbei wurde auf die vielen Fragen der Seminaristen kompetent und offen eingegangen, auch mit Bezug auf die Einsatzrealitäten, nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Mali, dem jüngsten Einsatzort von Heeressoldaten und Luftwaffenangehörigen der Bundeswehr.
Im Anschluss führte Herr Dominik die Seminaristen durch die Ausstellungen des Militärhistorischen Museums.
Den Schwerpunkt bildete dort die Geschichte der Bundeswehr seit ihrer Gründung im Kalten Krieg, die Eingliederung der NVA der DDR nach 1990, die Auslandseinsätze der vergangenen zwei Jahrzehnte sowie der aktuelle Kampf gegen den Terror.
Einen besonders bedrückenden Eindruck hinterließ dabei die, durch einen Lichtblitz simulierte, Explosionslichtnachahmung einer ausgestellten Atombombenhülle und die anschließende Abbildung des eigenen menschlichen Schattens der Museumsbesucher darin, welche die extremen Gefahren des Nuklearwaffenzeitalters den Seminarteilnehmern drastisch vor Augen führte.
Dieser Ausstellungsteil sowie die modernen ausgestellten Waffen im Freigelände des Museums führten vor Ort zur Thematisierung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und der Gefahr einer möglichen ungewollten Konfrontation mit Russland.
Derartige Themen wurden auch noch von den Seminarteilnehmern diskutiert, als man nach diesem sehr informativen Tag, mit nicht alltäglichen Referenten und Eindrücken, den Abend in einem türkischen Spezialitätengasthaus in der legendären Dresdner Neustadt ausklingen ließ, auf den Spuren und im Geiste des scharfsinnigen Schriftstellers und Journalisten Erich Kästner, welcher in den Lokalitäten dieses Viertels seiner Heimatstadt ebenfalls des Öfteren ernste und heitere Gedanken zu verknüpfen wusste.
Am darauffolgenden Tag, vor der Abfahrt in den Nachmittagsstunden, unternahmen die Seminarteilnehmer noch weitere Erkundungen rund um die Sehenswürdigkeiten der Dresdner Altstadt, bis unsere Gruppe am Abend des 28. Januar 2017, vollgepackt mit interessantesten Informationen und Einsichten, wieder den Passauer Bahnhof erreichte.
(Vgl. auch PNP-Artikel vom 3. März 2017 zu diesen und weiteren Aktivitäten des Seminars zur Sicherheitspolitik )

Sebastian Bär, Josef Bircheneder, Regina Piffel, Alexander Schurr, Tristan Simmet, Florian Sterner, Oberstudienrat Michael Domink, Seminarleiter Sicherheitspolitik