Faire Umgangsformen, rote Köpfe und schwungvolle Debatten beim Schulentscheid „Jugend debattiert“ an unserem Schulstandort in Auerbach:

Wie jedes Jahr durfte auch im Schuljahr 2016/2017 wieder ein Höhepunkt unseres Schuljahres nicht fehlen: An einem Freitagnachmittag, nach monatelangen Vorbereitungen, versammelten sich acht mutige Debattanten, zahlreiche gespannte Mitschüler – man könnte auch sagen, jeder Kandidat hatte seinen eigenen „Fanclub“, ebenfalls in den Debattenregeln für diese Veranstaltung geschult, dabei – und jurierende Lehrer zu einer neuen Runde im Vorentscheid zum Wettbewerb „Jugend debattiert“.
Bei diesem Projekt, unterstützt auch von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, debattieren Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassenstufen bundesweit über aktuelle gesellschafts- und schulpolitische Themen. Die Vorbereitung dazu erfolgt im Deutschunterricht, hier werden in der 11. Klasse die Sachthemenanalyse sowie die Entwicklung von Argumenten und in der 12. Klasse die Regeln der Gesprächsform „Debatte“ erlernt und durch ausgiebiges Training verinnerlicht.
Bevor es endlich losging, wurden alle Anwesenden erst einmal mit Wurstsemmeln, Kuchen und Kaffee versorgt, eine ordentliche Brotzeit soll ja bekanntlich die gespannten Gemüter etwas besänftigen und eine gute Grundlage für die herausfordernde (Debatten-)Kost bilden. Der Schulleiter, Dr. Haggenmüller und Kollege Dominik, der Schulkoordinator für das Projekt „Jugend debattiert“ an der Fos-Bos-Passau, begrüßten die Schüler und betonten die Notwendigkeit einer gepflegten Debattenkultur, gerade auch angesichts des anstehenden Wahljahres in Deutschland. Denn die Fähigkeit, seine eigene Meinung faktenorientiert mit sachlichen Argumenten zu vertreten und sich mit anderen Positionen fair auseinanderzusetzen, spiele nicht nur in diesem Schulwettbewerb eine wichtige Rolle, sondern stelle auch eine Grundvoraussetzung für eine gelingende Demokratie dar, gerade in unserer heutigen Zeit, in welcher in den sozialen Medien und in den Weiten des Internets immer mehr unsachliche, hetzerische und antidemokratische Meinungsäußerungen anzutreffen sind.
In zwei Vorrunden lieferten sich jeweils vier Schüler spannende Wortgefechte zur Frage, ob jeder Schultag mit einer Stunde Fitness beginnen sollte. So war man sich zwar einig, dass sportliche Betätigung auch den Geist beleben und damit die Leistungen der Lernenden steigern kann, jedoch schien vor allem die Frage der Finanzierbarkeit und die der Versicherungsproblematik die Gemüter zu spalten. Schule dürfe außerdem nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft sein, so die Kontraseite. Auch die Köpfe der Juroren rauchten und so machten sich diese ihre Entscheidung nicht leicht, als sie Julian Moser (W12b), Philipp Husmann (G12a), Jonathan Müller (G12b) und Lukas Eichinger (G12a) in die Finalrunde einziehen ließen. Die letzten vier lieferten sich schließlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Frage „Sollen bei allgemeinen Wahlen Jugendliche schon ab 16 Jahren wählen dürfen?“. Die Beeinflussbarkeit der jungen Mediengeneration und die damit oft vorgeworfene unzureichende Reife wurden dem Wunsch nach einer höheren Wahlbeteiligung und dem konsequenten Heranführen junger, sehr gut ausgebildeter Menschen an die Demokratie gegenübergestellt. Die letzte Entscheidung der Jury wurde von Teilnehmern und Zuschauern mit großer Spannung erwartet, und so sicherten sich souverän und verdient Jonathan Müller und Philipp Husmann, beide aus der 12. Jahrgangsstufe des im letzten Schuljahr neu eingeführten Gesundheitszweiges, die Teilnahme am Regionalentscheid am 21.02.17 am Gymnasium in Ergolding. Begleitet werden sie von ihren zwei Mitschülern aus der Finalrunde, die ihnen mit ihrer Fachkompetenz beratend als „Debatten-Coaches“ zur Seite stehen.
Somit war dieser Nachmittag des 13.1.2017 ein weiterer Beweis für die Begeisterungsfähigkeit sowie den Willen der beteiligten Schülerinnen und Schüler, keinen Aufwand, auch außerhalb(!) der Unterrichtszeit, zu scheuen, wenn es um die gutes Debattieren geht - ein ermutigendes Zeichen für unser demokratisches Gemeinwesen.
Ein besonderer Dank gilt somit allen Beteiligten, die diesen spannenden und aufschlussreichen Nachmittag ermöglicht haben, hierbei darf unser Hausmeister und seine Helfer natürlich nicht unerwähnt bleiben.


StRin Veronika Zels und OStR Michael Dominik, Schulkoordinator „Jugend debattiert“