Smart sein, wer möchte dies nicht? Aber eine smarte Stadt? Was steckt dahinter und wie soll solch eine Stadt in der Realität aussehen? Fragen, die wir zumindest ansatzweise in unserem Seminar „Stadt der Zukunft“ zu lösen bzw. zu verstehen versuchen.

Nach einigen Videos und Referaten über die sogenannten „Städte der Zukunft“, wie Songdo, Masdar-City, Auroville oder die King-Abdullah-Economic-City, wollten wir eine europäische Stadt besuchen, die nicht neu entsteht, sondern als alte, traditionelle Stadt einen Umbau in die Zukunft wagt.

Ansätze lassen sich in zahlreichen Metropolen Europas entdecken, da sie auf Grund der voranschreitenden Urbanisierung genötigt sind sich mit Zukunftsmodellen für Ihre Stadt auseinanderzusetzen. Aber Wien hatte es uns angetan, da sie die einzige Stadt in der näheren Umgebung ist, die eine eigene Agentur, die „Urban Innovation Vienna Agency“ unterhält, welche einen Masterplan mit Visionen für 88 teilweise miteinander vernetzten Projekten, entworfen hat und koordiniert. Dies wurde uns bei einem Besuch in der Agentur von Frau Swoboda, einer der Koordinatorinnen für die Raumplanung, vorgestellt. smart cityDabei wurde uns bewusst, dass der Umbau einer Stadt nur funktionieren kann, wenn von der obersten Stadtverwaltung aus der Wille, der Rückhalt und der lange Atem vorhanden ist, einen derartigen Prozess mit einer Rahmenstrategie auszustatten, die alle Lebensbereiche der Stadt verknüpft. Die Einzelplanungen befassen sich nicht nur mit dem Wohnungsbau, um die ca. 20.000 Neubürger pro Jahr aufnehmen zu können, sondern auch mit Inklusion, Ressourcenschonung, Verkehr, Grünräumen, Vernetzung, Wasserver-, Müllentsorgung, Wirtschaft, Bürger-Apps und lebenswerten Strukturen.

kabelwerkAls ein Musterprojekt besuchten wir an einem Nachmittag das „Kabelwerk“, ein Neubaugebiet, das auf dem Gelände einer ehemaligen Industrieanlage für Kabelfertigung angelegt wurde. Die Kunst war etwas Neues in das alte Stadtviertel „Meidling“ zu integrieren und dabei die Identität, auch die mit dem ehemaligen Werk, nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu wurden Bürgerbefragungen und -beteiligungen ins Leben gerufen und ein, wie die Wiener es ausdrücken „Kretzl“ (Stadtviertel) gebaut, in dem es von Sozialwohnungen bis hin zu Reihenhäusern im Toscana-Stil alles zu finden gibt. Die Berücksichtigung von Gemeinschaftsräumen für Übernachtungs-
gäste oder ein Haus, in dem es nur temporär belegbare Wohnungen gibt bis hin zu einem Kindergarten und einem vorwiegend von Frauen bewohntem Haus, ist hier die Vielfalt der Gesellschaft wiederzufinden. Alles ist verwinkelt, architektonisch unterschiedlich gestaltet, so dass kein Haus dem anderen gleicht und es ständig neue Ecken, Plätze und Gebäude zu entdecken gibt. Auch nach 2,5 Stunden Führung gab es noch viele Details zu bestaunen.

Quelle-Foto: https://smartcity.wien.gv.at/site/projekte
v. 10.10.17

kabelwerk02In weit größerem Rahmen wurden wir am nächsten Vormittag in das Konzept der Seestadt Aspern eingeführt. Auf einem ehemaligem Flughafengebiet entsteht bis zum Jahr 2030 auf 240 Hektar ein eigener Stadtteil der Moderne. Berücksichtigt wird dabei die Bürgerbeteiligung, die kurzen Wege, Radverleihkonzepte, eigene Bildungsstätten, grüne Bauten, Leben und Wohnen. Am Ende sollen für ca. 20.000 BürgerInnen Wohnungen und Arbeitsplätze vorhanden sein. Die Führung begann mit skeptischen Gefühlen, denkt man doch bei solchen Dimensionen an Neuperlach in München oder gar an die Banlieus von Paris. Aber genau dies soll und wird vermieden: Keine Einheitsbauten, große Durchmischung der sozialen Schichten, weitläufige Räume und Grünanlagen, soziale Anlaufpunkte. smart city02Überraschenderweise kam sofort ein Wohlfühlgefühl auf. Hier im Seeparkquartier lässt es sich sicherlich gut leben. Trotz Kälte und anhaltendem Regen wirkte das Viertel sehr attraktiv und der Italiener, bei dem wir mittags einkehrten, tat seines dazu. Die Seestadt an der Endhaltestelle der U2 in Wien ist ein Projekt, das gerade erst gestartet ist. Der Vollausbau wird in etwa noch 10 Jahr benötigen. Zeit genug, um diesem Viertel immer wieder einmal einen Besuch abzustatten und sich die Fortschritte anzusehen.

Wien liegt im Ranking der lebenswertesten Städte auf Platz 2. Diese Spitzenplatzierung kann nur gehalten werden, wenn man innovativ und ernsthaft an seiner Zukunft arbeitet.

Wien – Die perfekte Mischung aus Tradition und Moderne. Eben smart!

Doris Hillinger
Seminar „Stadt der Zukunft“

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