Neues Angebot der Fach- und Berufsoberschule Passau – Kooperation mit dem KfH-Nierenzentrum in Fürstenzell
von Sabine Kain, PNP, 21.10.2015

Gesundheit 03
Mitanpacken und helfen: Praktikant Christian Schwarzbauer (v.l.) darf bei Dialyse-Patient Richard Eilinger den Blutdruck messen. Die Ärzte Dr. Holger Picker und Dr. Rüdiger Krallinger sowie Lehrerin Doris Hillinger sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Schülers – oder wie Krallinger sagt: "des Prototypen". Denn der 17-Jährige gehört zum ersten Jahrgang der neuen Klasse "Gesundheit" an der FOS Passau. − Foto: Jäger

Passau/Fürstenzell. Richard Eilinger lächelt, als ihm zwei junge Hände vorsichtig die Blutdruckmanschette um den Arm legen. Der Senior ist einer von über 100 Dialysepatienten am KfH-Nierenzentrum in Fürstenzell – und hat Vertrauen zu Praktikant Christian Schwarzbauer, der gerade seinen Blutdruck misst. Hinter dem 17-Jährigen steht sein Tutor aus dem Pflegeteam der darauf achtet, dass der FOS-Schüler alles richtig macht. Alle können zufrieden sein.
Gleiches gilt für die Verantwortlichen auf der anderen Seite des Krankenbetts: die ärztlichen Leiter Rüdiger Krallinger und Holger Picker sowie Lehrerin Doris Hillinger. Seit diesem Schuljahr kooperiert das Nierenzentrum mit der Fach- und Berufsoberschule Passau, die heuer erstmals und als einzige Schule in Niederbayern zwei Klassen "Gesundheit" an der FOS anbietet. Für die im Lehrplan vorgesehenen Praktika braucht die Schule Kooperationspartner – nach wie vor.

Schwierige Suche nach Praktikumsstellen. Für Lehrerin Doris Hillinger bedeutet das Klinkenputzen. Die Krux: Ihre Schüler dürfen aus rechtlichen Gründen nur wenige Tätigkeiten unter Aufsicht übernehmen, sollten aber fünf Tage die Woche sinnvoll beschäftigt sein. Noch immer sucht sie nach Partnern in der Region, vor allem im nördlichen Landkreis Passau, um die Anfahrtswege für ihre Schüler kurz halten zu können.
In Fürstenzell hatte sie leichtes Spiel. Rüdiger Krallinger und Pflegeleiterin Andrea Schmidbauer sind begeistert von dem Modell und sagten sogleich zu, einen Praktikanten aufzunehmen. Christian Schwarzbauer ist der erste, der die einzelnen Stationen im Nierenzentrum durchläuft. Lager, Gastrobereich und Ambulanz stehen noch aus. Momentan hilft er in der Dialyse. "Betten machen, Oberflächen desinfizieren, Blutdruck messen, Schubladen auffüllen...", zählt er seine Aufgaben auf. Der Schüler ist begeistert: "Mein Opa war hier Patient. Deshalb war ich sehr gespannt, wie die Arbeit hier abläuft." Tutor Sebastian Vaterl leitet ihn an. Um 6 Uhr beginnt sein Arbeitstag, der bis etwa 14 Uhr dauert.
Dabei lernt der 17-jährige Fürstenzeller auch die traurige Seite der Gesundheitsbranche kennen. Das Nierenzentrum behandle schwerkranke Menschen, gibt Krallinger zu bedenken. Manche haben keine Chance mehr auf Genesung, andere chronische Schmerzen, nur die wenigsten gute Laune. Damit muss der Schüler umgehen können. Bislang kommt Christian Schwarzbauer zurecht, sagt er. Hat er Sorgen, hilft der Tutor.
Von der Unterstützung des KfH ist Lehrerin Doris Hillinger sehr angetan. "Die Schüler reifen durch die Erfahrungen, die sie sammeln", weiß sie aus Erfahrung. Aber auch für das Nierenzentrum hat die Kooperation Vorteile, wie Krallinger betont: "Wir stellen jedes Jahr zwei Auszubildende ein, aber die Suche wird immer schwieriger. Diese Praktika empfinden wir als Bereicherung." Andrea Schmidbauer stimmt zu: "Vor allem hoffen wir, dass die jungen Leute später auch einen Beruf im Gesundheitswesen ergreifen. Gerne auch bei uns." FOS-Praktikanten aus der Klasse "Gesundheit" möchte das Team auch künftig gerne aufnehmen.

DIE KLASSE "GESUNDHEIT" – Ein Steckbrief

Fächer: Neben den allgemeinbildenden Fächern gibt es die Profilfächer Biologie, Chemie, Kommunikation und Interaktion, Rechts- und Wirtschaftslehre sowie Gesundheitswissenschaft.

Gesundheitswissenschaft: In diesem Prüfungsfach wird das breite Spektrum des Gesundheitswesens abgedeckt. Es umfasst einen Überblick über Berufsbilder und vermittelt den Schülern Inhalte aus verschiedensten Themengruppen: von gesunder Ernährung und Bewegung über die eigenständige Lebensführung von Senioren bis hin zur onkologischen Früherkennung.

Praktika: In der 11. Jahrgangsstufe absolvieren die Schüler in Abschnitten von vier bis fünf Wochen eine insgesamt rund 20-wöchige fachpraktische Ausbildung bei Einrichtungen in der Region. Ein zweiwöchiger Pflegehelferkurs in der Schule bereitet sie darauf vor. Ergänzt werden die praktischen Erfahrungen in den Einrichtungen durch eine fachpraktische Vertiefung im Bereich Biologie.

Arbeitsfelder: Die Ausbildungsrichtung "Gesundheit" zielt auf Tätigkeiten in den Bereichen Prävention (z.B. Beratungsstellen), Diagnostik (z.B. Labor), Therapie (z.B. Rehazentren) und Pflege (z.B. Seniorenheim).

Angebot: In diesem Schuljahr gibt es zwei Gesundheitsklassen an der FOS mit insgesamt 45 Schülern. Eine eigene Klasse an der BOS ist möglich, erreichte heuer aber nicht die nötige Schülerzahl. Hier wurde eine Mischklasse mit dem sozialen Zweig gebildet.− ska