Ein Leben ohne Freude sei wie eine Reise ohne Gasthaus, so formulierte einst der griechische Philosoph Demokrit. Die Exkursion der BW12b am 28.10.2015 nach München bot zuerst sehr schwere Kost,

machte betroffen, regte zum Nachdenken an und gab Antworten auf Fragen, die gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Gesellschaft mit dem Umgang fremder, hilfsbedürftiger Menschen sehr schwer tut, wieder auftauchen. Trotzdem kehrten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrkräften Pfau und Regner noch ein, um die letzten Fragen in entspannter Atmosphäre zu diskutieren oder nach einigen schweren Stunden eine gewisse Leichtigkeit wieder zu gewinnen.

Bereits der Weg vom Hauptbahnhof zum Dokumentationszentrum in der Brienner Straße führte an verschiedenen Erinnerungsorten der Nazizeit vorbei. Der Königsplatz, früherer Paradeplatz der Nationalsozialisten und die Reste der Denkmäler für die getöteten nationalsozialistischen Revolutionäre von 1923 zeigen heute noch die Bedeutung Münchens als „Stadt der Bewegung“. Das neue Dokumentationszentrum wurde auf dem Areal des ehemaligen „Braunen Hauses“ errichtet und ist aufgrund seiner Architektur und seiner Ausstellungspräsentation absolut gelungen. Auf vier Stockwerken, die chronologisch die Münchner Stadtgeschichte von der Revolution 1918 bis Kriegsende 1945 zusammenfassen, konnten die Schülerinnen und Schüler der Frage nachgehen, wie „das alles passieren konnte“. Die Schülerinnen und Schüler kamen dabei rasch zu der Antwort, dass Radikalismen schnell entstehen, wenn Angst, Unsicherheit aber auch wirtschaftliche und soziale Not um sich greifen. Gepaart mit politischen Agitatoren und dem Versagen der bürgerlichen Mitte, die sich den Radikalismen hingaben, entstand ein Nährboden, der schnell bloße Wortgewalt zu körperlicher Gewalt werden ließ.

Die Brücke zur heutigen Zeit war recht schnell geschlagen. Leider war die Zeit dann doch zu kurz und der Wissenshunger der Schüler zu groß, um die schwierige Thematik zur Gänze erleuchten zu können. Der nächste Programmpunkt beleuchtete die Thematik aus kultureller Sicht. Die Ausstellung „GegenKunst“ stellt in der Pinakothek der Moderne verfemte Werke des frühen 20. Jahrhunderts und ein modernes Werk von Bacon der Ideologie stützenden Kunst nationalsozialistischer Prägung gegenüber, um an die Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 zu erinnern. Recht schnell fand sich die Antwort auf die Frage, was denn Kunst leisten solle. Auf keinen Fall soll ihre Funktion sein, nationale Ideologien oder Systeme zu stützen, sondern autonom sein und eine eigene Deutungshoheit haben, die der Künstler entwickelt und nicht ein Staat, eine Partei oder ein Autokrat. Manch einer kann auch hier wieder Parallelen zur heutigen Zeit entdecken, in der der übertriebene Nationalismus Konjunktur erlebt und kritische Geister als Staatsfeinde deklariert werden.

Die gelungene Abrundung fand dann noch in einem Schwabinger Wirtshaus statt, wo die letzten Fragen geklärt werden konnten, das sorgenfreie Leben wieder zurückkehrte und die schwere Kost bei einem Bier verdaut wurde.


BW12b mit Regner und Pfau

 

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