Hocherfreut zeigte sich nicht nur Professor Dr. Rainer Wernsmann, Vizepräsident für Lehre und Studium an der Universität Passau, angesichts so viel Interesse.

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Denn eine ganze Menge Besucher, Schüler und Lehrer der BOS, der FOS, Studenten, Dozenten, ebenso weitere, ambitionierte Besucher waren gekommen an diesem frühen Abend ins Unigebäude an der Innstrasse, ins Zentrum für Medien und Kommunikation. Denn hier präsentierte man im Rahmen einer Abschlussveranstaltung Ergebnisse interessanter Untersuchungen im Kontext eines innovativen Projektes namens „Sprachdynamik im deutsch-österreichischen Grenzraum“.
Gefördert hat man das aus dem „Lehrinnovationspool“ der Universität Passau. Da schließlich von Haus aus „nicht alles Innovative klappt“, wie Professor Wernsmann während seines Grußwortes zu bedenken gegeben, mochten die an der Sache intensiv Engagierten umso mehr einen Grund gesehen haben, Stolz zu empfinden auf das Geleistete, zumal es sich hier um eine Art Pionierprojekt handelte: in dessen Kontext lernen Schülerinnen und Schüler zusammen mit Studentinnen und Studenten gemeinsam das Lernen und Forschen. So profitieren sie quasi voneinander.
Der entsprechende Antrag war einer unter 21 im vergangenen Jahr eingegangenen Anträgen. Dieses grenzüberschreitende sprachdynamische, hier realisierte Unternehmen, einer von sieben bewilligten Anträgen, wurde aus Mitteln des Lehrinnovationsfond finanziert. Umgesetzt hatte man da die „Sprachdynamik im deutsch-österreichischen Grenzraum“.
Und lebendig und agil transportierten die Schülerinnen der BOS und FOS Passau unter Leitung des Lehrers und Projektleiters, Johannes Regner, ihre Erkenntnisse, die sie im Vorfeld gewonnen hatten aus fleißigen Recherchen, unterstützt dabei von Studierenden der Universität Passau, welche als sogenannte „Lernpaten“ fungierten; dazu da, die Schüler an projektorientiertes, forschendes Lernen heranzuführen. Auf persönlicher wie fachlicher Ebene gestaltete sich derlei Austausch, Kommunikation unter Schülern und deren jeweiligen „Wissensmanagern“, sämtlich Lehramts-Studierende.
Hervorragend klappte das im Programm angekündigte exakte Timing: prägnante Worte, welche jene Spanne „von der Idee zum Projekt“ konkretisierten, fanden Dr. Lars Bülow (Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft) und Florian Stelzer (Professur für regionale Geographie). Dabei erläuterten beide Wissenschaftler die Herausforderungen der verschiedenen Kompetenzstufen, die Bedeutung der fachlichen und inhaltlichen Verzahnung , die der sprachlich-grammatikalischen wie geographisch fokussierten Anteile des Projekts, die arbeitsintensive Vorbereitung und die Notwendigkeit, das Verhalten jeweils den Umständen im Interesse der Problemlösung anzupassen.
Wie alles professionelle Arbeiten sei auch dieses neue „Projekt“ aktuellen Lernprozessen unterworfen, befanden die beiden Dozenten. Jedenfalls waren sowohl Bülow als auch Stelzer voll des Lobes und dankten herzlich eingedenk des großen Engagements der Schüler und Studierenden, angesichts deren „Ideenentwicklung“ und stets „guter Kooperation“.
Konkret letztlich präsentierte Teresa Sagmeister, Schülerin aus Österreich, ihr sorgfältig und musterhaft erarbeitetes Fallbeispiel zum Thema, kompetent betreut vom Lehrer an der BOS und FOS, Johannes Regner. Sie tat’s anhand von Bildmaterial, vom Blatt lesend wie auch aus dem Stegreif und lebendiger Erinnerung, nicht zuletzt garniert mit Freude und Charme und spürbarem Engagement in der Sache: „Sprachdynamik zwischen Neuburg am Inn und Wernstein am Inn“. Jene Orte verbindet seit 2006 die neue Marienbrücke. Von der sozioökonomischen Ähnlichkeit der beiden Gemeinden berichtete die junge Frau, referierte ihre „onomasiologische Befragung“, der sie Bürger und Bürgermeister hüben und drüben unterzog; sie erzählte von Interviews, diesseits und jenseits der Brücke, von Gesprächen mit jungen Menschen und mit alten, die schon lange leben; die Geschichte der 95jährigen, die da Geschichten kolportierte, und die der Fähre, die, 1893 erbaut, 1961 eingestellt worden war.
Wissen wollte Teresa, wie die Sachen heißen auf der anderen Seite des Inn, und ob man sie, seitdem es die Brücke gibt, anders nennt, ob auch die Sprache Brücken kennt, ob die Menschen „Bereicherung“ empfinden, ob „Last“….„Die Befragung war der schönste Teil meiner Arbeit“ strahlt die Schülerin.
Auch die Studierenden sind ausgezogen, die Sprache zu ergründen, die Konversation im Supermarkt, wie benennt man Lebensmittel, Gemüse, Früchte, diesseits der Grenze, jenseits.
Nicht allein in der Rolle der Instruierenden haben sich die Studenten gesehen, vielmehr auch bereichert. Dies klingt an während der die Veranstaltung abschließenden Gespräche zwischen Stellwänden, im Rahmen der Präsentation der Poster, als man dies und jenes thematisiert, die Studierenden sich den Fragen der Besucher stellen. Da geht‘s um Sprachgebrauch österreichischer Dozenten an der Uni Passau und darum, wie niederbayerische Studierende solches wahrnehmen; auch ob Wahrnehmung sich verändert seit Beginn der Flüchtlingsströme in der Medienberichterstattung des Grenzraums, im Vergleich zum übrigen Deutschland, zu politischer Neuorientierung geführt haben könnte. Auch hier wurde Verzahnung und Verflechtung der Fachbereiche evident, obgleich, so Stelzer und Bülow, die Interessenten der Initiative „eher aus der Geographie als aus dem Sprachlich-Grammatikalischen gekommen“ seien.
Überhaupt, räumte grundlegend gleich zu Beginn der Schulleiter der FOS BOS Passau, Dr. Reinhold Haggenmüller, nicht nur „Sprachwandel“ ein, sondern auch „Sprachverfall und Sprachverlust über Kultur und Zeiten“.
Denn in einem akribisch ausgearbeiteten und ein wenig philosophisch abgehobenen Grußwort befand er, dass „sich die Deutschen (und damit auch die Österreicher) heute vielfältiger ausdrücken können als jemals zuvor“. Allerdings, so Haggenmüller, sei dafür „die Grammatik etwas den Reduktionen unterworfen“, abhängig häufig von „Milieuzugehörigkeit und damit verbundenen Mentalitäten“.

Marita Pletter (der Text ist in gekürzter Fassung am 28. Januar 2016 in der PNP auf Seite 22 erschienen)