Erfolgreiche Qualifikation als erste Schule der Stadt und der Region RFM logo Nach zwei Jahren harter konzeptioneller Arbeit und deren praktischer Erprobung kam der verdiente Lohn. Der Beruflichen Oberschule Passau verlieh der Staatssekretär im Kultusministerium Bernd Sibler bei einem Festakt in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen den Status „Referenzschule für Medienbildung“. Damit gehört die Passauer Schule zu den ersten 30 bayerischen Schulen, welche das Qualitätssiegel erhielten. Im Bereich aller Fachober- und Berufsoberschulen hat sich neben der Passauer Schule auch die Nürnberger BOS qualifiziert, geographisch ist die Passauer FOS/BOS die erste Schule der Stadt und der Region, welches dieses Prädikat für sich in Anspruch nehmen kann.

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Diplom-Physiker Dr. Thomas Kippenberg, OStD Dr. Reinhold Haggenmüller und OStR Andreas Ott. Überreichung der Urkunde durch Staatssekretär Bernd Sibler

Unsere Absolventen finden sich in der modernen Medienwelt zurecht und besitzen besonders die für Studium und Beruf zeitgemäße Medienkompetenz.“

Dieses Leitziel liegt dem Projekt „Referenzschule für Medienbildung“ zugrunde, das im September 2010 initiiert wurde. Das war der Startpunkt für den zweijährigen Qualifizierungsprozess, der seitens des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) koordiniert wurde. An der Beruflichen Oberschule Passau bestand das Projektteam aus über 10 Personen, darunter Vertreter der Schulleitung, Mitarbeiter der Verwaltung und engagierte Lehrkräften aus verschiedenen Fachbereichen. In der ersten Phase des Projekts wurde eine detaillierte Bestandsaufnahme der technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen durchgeführt. Im Rahmen der bestehenden Kooperation mit der Universität Passau (Zentrum für Lehrerbildung und Lehrstuhl für allgemeine Pädagogik) sowie Unternehmen aus der freien Wirtschaft wurden des Weiteren geklärt, welche Medienkompetenzen von künftigen Studenten und Arbeitnehmern erwartet werden. Im zweiten Schritt definierte das Projektteam konkrete Ziele zur Vermittlung von Medienkompetenzen. Eine besondere Herausforderung dabei war, dass die Schüler an der Beruflichen Oberschule unterschiedlich lange (ein bis drei Jahre) verweilen und sehr unterschied­liche Vorkenntnisse besitzen. Daher wurden Schwerpunkte auf zentralen Themen gesetzt, die in folgender Übersicht dargestellt sind:

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Informationsbeschaffung im Internet: Die Schüler lernen, sich über das Internet die gewünschten Informationen zu beschaffen und diese kompetent zu nutzen. Diese Fertigkeit ist von zentraler Bedeutung für Fachreferate, Seminararbeiten und ein späteres Studium. Um dem stark unterschiedlichen Wissensstand gerecht zu werden, wurden zu diesem Ziel insgesamt drei Unterrichtsmodule erstellt, die aufeinander aufbauen. Kommunikation im Internet: Anhand konkreter Beispiel werden sich die Schülern der verschie­denen Kommunikationsmöglichkeiten im Internet bewusst, beurteilen diese kritisch und können sie situationsgerecht einsetzen. Sie erkennen außerdem, dass Achtung und Respekt auch in E-Mails, Internetforen und Chats notwendig sind. Grundlagen digitaler Präsentationen: Die Fähigkeit, eigene Ergebnisse zu präsentieren, spielt in Forschung und Wirtschaft eine Schlüsselrolle. In aufeinander aufbauenden Workshops, die in speziellen Projekttagen außerhalb des regulären Unterrichts stattfinden, erlernen die Schüler Quali­tätsmerkmale und Kriterien guter Präsentationen mit klassischen und digitalen Medien. In prakti­schen Beispielen üben sie die freie Rede, werden sich der Wirkung von Mimik und Gestik bewusst, und lernen ihr Lampenfieber unter Kontrolle zu bringen. Grundlagen Internetrecht: Ebenfalls von hoher Bedeutung ist die Kenntnis des rechtlichen Umfeldes bei der Nutzung des Mediums Internet. Dazu analysieren die Schüler in einem speziell entwickelten Workshop ausgewählte Fallbeispiele. Außerdem finden regelmäßig offene Veranstal­tungen für Schüler, Lehrer und Interessierte statt, letztes Schuljahr z.B. referierte Kriminalhaupt­komissar a. D. Pompl unter dem Titel „Ist das Internet völlig harmlos?“ lebendig und eindrucksvoll vor ca. 100 Zuhörern über Chancen und Risiken des Internets oder Prof. Dr. Frank Braun über Probleme des Urheber- und Internetrechts bei einer internen Lehrerfortbildung.

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  Offene Informationsveranstaltung zu Chancen und Risiken sozialer Netzwerke  

Digitales Klassenzimmer: Während der Bestandsaufnahme wurde deutlich, dass digitale Lern­plattformen auch an Hochschulen nicht mehr wegzudenken sind. Beherrscht ein Student den Umgang nicht souverän, läuft er Gefahr wichtige Inhalte zu verpassen und im schlimmsten Fall sogar seinen Studienplatz zu verlieren. Entsprechend ist es Ziel des „Digitalen Klassenzimmers“, die Schüler auf digitale Lernumgebungen vorzubereiten. Der Gewinn ist dabei für alle Beteiligten groß, z.B. findet ein reger Austausch von ergänzenden Materialien zum Unterricht ebenso statt wie Online-Umfragen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität oder die Anmeldung zur Seminararbeit in der 13. Klasse. In der Abschlussphase des Projekts wurde einerseits ein „Medienentwicklungsplan“ erstellt, der Ziele wie durchgeführte Maßnahmen dokumentiert, andererseits ein auf den Lehrplan abgestimmtes „Medien-Methoden-Curriculum“, das detailliert aufzeigt, wie die Medienbildung in den Schulalltag integriert ist. Beide Dokumente sind auf der Schulhomepage www.fos-bos-passau.de verfügbar. Die künftige Herausforderung wird sein, das Medien-und-Methoden-Curriculum stets aktuell zu halten, da sich das Thema Medienbildung aufgrund neuer Technologien und des sich ändernden Nutzungsverhaltens in einem steten Wandel befindet.