Abendvortrag an der FOS-BOS-Passau zum Thema "Ist das Internet völlig harmlos?"

Digitale Medien gewinnen in unserer Gesellschaft zweifellos immer mehr an Bedeutung. Die Berufliche Oberschule Passau, welche sich als „Referenzschule für Medienbildung“ zukünftig in diesem Sinne eindeutig positionieren will, hat sich daher zum Ziel gesetzt, ihren Absolventen verstärkt Kompetenzen im Umgang mit IT-Technik zu vermitteln. Lenkt man den Blick auf die umliegenden Fachhochschulen sowie an die Universität Passau, so wird man in dieser Haltung bestärkt, da sich den angehenden Abiturienten, sei es in technischen Studiengängen oder sogar im geisteswissenschaftlichen Bereich, digitale Medien regelrecht aufzwingen.

Der Vortrag des Kriminalhauptkommissars a. D. Karl Pompl mit dem Titel "Ist das Internet völlig harmlos?", welcher vor fast 100 interessierten Gästen - Schülern, Eltern und Lehrern - am Donnerstag, den 08. 12. 2011 an unserer Schule stattfand, begann, entgegen dem vorgreifenden Titel, geradezu mit einem Loblied auf das Internet und seine Funktionen. Mehr noch: Pompl, jahrelang Experte für Internetkriminalität an der Polizeidirektion Passau, outete sich selbst sogar als glühender Anhänger und häufiger "user" des Netzes und seiner Dienste - oder, mit den Worten des gerade eben glücklich Pensionierten ausgedrückt, als "user" derjenigen 97% des weltweiten Netzes, welche nicht als illegal oder gar schwer kriminell einzustufen sind. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: In dem insgesamt zweistündigen Vortrag versäumte es der auf Einladung des Schulleiters OStD Dr. Haggenmüller erschienene Gast nicht, eindrücklich und anschaulich vor den restlichen 3% zu warnen - zu Recht, wie man am Ende eindeutig resümieren darf.

Der Referent, der seine Ziele mit "aufklären, sensibilisieren und Kinder schützen" angab, versuchte zunächst, die lustige grell-bunte Vorstellung von "Internet" in den Köpfen der Zuhörer einzureißen. Es sei eben nicht anonym, kontrollierbar oder auf einen engen Kreis von Freunden beschränkt, wie der Experte mit einem Hinweis auf den allsseits bekannten Namen des weltweiten Netzes - "world wide web" - betonte. Die Vorteile, die das Medium bieten mag, wie z. B. grenzenlose und nicht an den Faktor "Öffnungszeiten" gebundene Kommunikation, verkehren sich ins Gegenteil, wenn man gewisse Sicherheitsvorkehrungen nicht einhält und manchmal leider sogar dann, wenn sie eingehalten werden. Der stets spannend gehaltene Vortrag führte teilweise geschockte Eltern und Lehrer sowie allerdings auch so manche müde lächelnde und vielleicht abgebrühte Schüler über viele Abgründe der modernen Technik. Er klärte auf über die Themen "Gefahren des Chattens", "soziale Netzwerke", "Cybermobbing", "Abzocke im Internet", "Urheberrechtverletzungen" sowie "smart phones - Handys mit permanenter Internetverbindung". Neben sehr plastisch vorgetragenen Darstellungen von authentischen Ereignissen während seiner aktiven Dienstzeit waren es vor allem die Ausblicke auf gefährliche und für viele kaum vorstellbare technische Neuerungen, welche einen in den Bann des Experten zogen.

Besondere Afmerksamkeit erregte ein Ausflug auf "Facebook", dem sozialen Netzwerk par excellance. Pompl zeigte anhand von anonymisierten Beispielen aus dem facebookmäßig vernetzten Schülerumfeld der FOS/BOS Passau, wie man sich mit wenigen Handgriffen den vollen Namen sowie Anschrift, ICQ-Kennung und Telefonnummern eines Benutzers organisieren könnte. Dass dies eine Einladung an alle möglichen Interessenten in Sachen Mobbing oder gar schwerer Verbrechen wie Raub oder Kindesmissbrauch darstellt, war allen Zuhörern völlig klar. Es wurde zudem überdeutlich, dass viele Jugendliche auf Facebook auch gegen etliche Urheberrechtsgrundsätze verstoßen, was im schlimmsten Fall vor Gericht zu Geldstrafen in Höhe von Tausenden Euro führen kann. Jedoch auch schon der "normale Betrieb" von Facebook bereitet dem Experten Kopfzerbrechen: Per Illustration über Beamer wurden passenderweise die Schwachstellen der Plattform schonungslos aufgedeckt. Überall lauern dort Datenschutzlücken oder absichtlich installierte Abzock-Möglichkeiten, übrigens auch von seiten Dritter, d. h. externer Firmen, die bestimmte Dienste nur angeblich kostenlos anbieten. Ein intelligenterer Umgang mit den vorhandenen Einstellungsmenues dieses sozialen Netzwerkes könne da allerdings schon helfen, so Pompl. Letztendlich stelle sich "Facebook" aber als Datenkrake heraus, dessen eigentliches Ziel - wirtschaftlich betrachtet - das Sammeln und der Weiterverkauf von Informationen an die Industrie ist, wenngleich dies Jugendliche natürlich oft anders sehen.

Auch wenn sich die oftmals volljährigen Schüler der Beruflichen Oberschule Passau von naiven 14-jährigen deutlich unterscheiden mögen, so bleibt doch ein recht mulmiges Gefühl zurück, wenn Herr Pompl nach zwei Stunden Mahnen und Warnen den Saal unter dem Beifall für seine lebendige und phasenweise auch humorvolle Darstellung von sachlich begründbaren und manchmal sogar blutigen Gefahren verlässt. Eins jedoch ist allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft dank seiner Hilfe klar geworden: IT-Technik im Allgemeinen und das Internet im Speziellen ist selbst weder etwas Schlechtes noch eine Verheißung. Von Menschenhand Gemachtes ist immer nur so gut wie die Menschen, die es benutzen. So gesehen muss Herr Kriminalhauptkommissar a. D. Pompl wohl auch nach seiner Pension noch lange seine Runden durch niederbayerische Schulen ziehen. Nach so einer erfolgreichen Veranstaltung ist es ihm und zukünftigen Zuhörern zumindest zu wünschen.

Gerhard Kölbel

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