In der 13. Klasse der FOS/BOS (Ausbildungsrichtung Wirtschaft) steht u. a. das sehr textbasierte Kapitel "Management" im BWR-Lehrplan - hier kann und muss nicht gerechnet werden.

Dieses Thema im traditionellen Unterricht fragend-entwickelnd zu erarbeiten, ist recht mühsam, da die Schüler hier kein Vorwissen mitbringen. Wohl oder übel sind die Inhalte also aus Texten (Arbeitsblättern, dem Internet oder dem Lehrbuch) zu entnehmen. So sollte das auch in diesem Schuljahr geschehen - mit dem Unterschied, dass die Schüler hierbei aktiv werden sollten.

Vorab erstellte ich ein Etherpad, in dem ich die Überschriften der vier Teilgebiete des Managementkapitels eingab und so die Bereiche definierte. In meiner BWR-Klasse sind lediglich sechs Schüler und so teilten die sich die Arbeit selbst auf: die längeren Kapitel wurden von jeweils zwei Schüler bearbeitet. Die Schülerin, die mit dem kürzesten Kapitel begann, arbeitete dann an einem längeren Kapitel mit.

Die Schüler hatten die Inhalte ihres Teilkapitels im vorgesehenen Bereich des Etherpads zusammenfassend herauszuschreiben. Diese Fertigkeit wird auch an der Uni oder FH verlangt, wo die Studenten regelmäßig längere Texte exzerpieren müssen. Das Besondere bei der Arbeit mit Etherpads ist jedoch, dass die Schüler gleichzeitig und gemeinsam an demselben Dokument schreiben. Deshalb war es auch so wichtig, die einzelnen Bereiche, in denen ein Schüler schreiben darf, auch vorher zu definieren, damit man sich dabei nicht unabsichtlich "in die Quere kommt".

In einem ersten Schritt, der eine Unterrichtsstunde dauerte, fassten die Schüler also die Inhalte ihres Teilkapitels im Etherpad zusammen. Danach wurden die Kapitel und Aufgaben vertauscht. Jeder Schüler hatte nun den Text eines Mitschülers einer kritischen Prüfung zu unterziehen: Ist die Zusammenfassung inhaltlich korrekt oder haben sich dabei Fehler eingeschlichen? Ist wirklich das Wesentliche des Textes erfasst worden oder fehlen wichtige Aspekte? Die Schüler waren somit aufgefordert, die Texte ihrer Mitschüler zu ergänzen oder zu korrigieren. Bei Etherpads ist jedem Schüler eine individuelle Farbe zugewiesen, so kann jederzeit leicht nachvollzogen werden, wer welche Textpassagen geschrieben oder ergänzt hat. Für diese Aufgabe standen auch 45 Minuten zur Verfügung.

Im Anschluss daran exportierte jeder Schüler das Etherpad in ein Word-Dokument, wo er es nach seinem Geschmack weiterbearbeitete und formatierte (Dauer: eine Unterrichtsstunde). Danach druckten die Schüler ihre zum Teil 10-seitigen Werke aus - die stellen nun den "Tafelanschrieb" dar.

Fazit

Insgesamt lässt sich nach den drei Unterrichtsstunden zu "Management" feststellen: Die Schüler haben ihre Aufgabe gut gemanagt und bei der Arbeit an dem Etherpad wurden - neben der ersten fachlichen Auseinandersetzung mit dem Stoff - die vier Ks gefördert:

  • Kollaboration: Die Schüler haben gemeinsam an einem Dokument gearbeitet, sich die Arbeit selbstständig aufgeteilt und gemeinsam die Verantwortung für ein gutes Endprodukt getragen.

  • Kritisches Denken: Die Schüler haben zunächst prüfen müssen, welche Inhalte aus dem Buch herausgeschrieben werden müssen. Im zweiten Schritt haben sie den Text des Mitschülers kritisch hinterfragt, und ggfs. korrigiert oder überarbeitet - evtl. sogar Teile davon gelöscht.

  • Kommunikation: Sie haben sich bei der Überarbeitung der Texte untereinander verständigt, haben nachgefragt: "Du, wie hast Du diesen Satz denn gemeint? Den verstehe ich so nicht; den schreib ich um."

  • Kreativität: Die Schüler hatten die Inhalte nicht nur zusammenzufassen, sondern waren auch aufgefordert, eigene Beispiele oder Erfahrungen z. B. aus dem Praktikum der 11. Klasse in die Texte miteinfließen zu lassen.

Die fragend-entwickelnde Erarbeitung des Kapitels hätte erfahrungsgemäß mehr als zehn Stunden gedauert und am Ende hätte ungefähr das im Heft gestanden, was die Schüler so auch im Buch hätten nachlesen können. In diesem kurzen Projekt haben sie nun jedoch ihr eigenes "4K-Produkt" erstellt, und in der eingesparten Unterrichtszeit können die Inhalte nun verstärkt diskutiert und eingeübt werden.

A. Ott, OStR

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