Anna Maria Siegert ist neue Leiterin an der Staatlichen Fachoberschule und Berufsoberschule

Annabella Angerer-Schneider 15.11.2019 | Stand 14.11.2019, 21:27 Uhr Passau
(mit freundlicher Genehmigung der Passauer Neuen Presse)

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Bei der Amtseinführung der neuen Rektorin (von links): Martin Dieter, Beatrice Schreyer, Paul Ilg, Anna Maria Siegert, Klaus Hierl, Jürgen Dupper, Klaus Jeggle und Gottfried Wengel. −Fotos: Angerer-Schneider


Fernglas, Spiegel, Einwegbecher und eine Flasche Sekt brachte die neue Schulleiterin der Staatlichen Fachoberschule und Berufsoberschule zu ihrem Einstand im Auerbacher Schulgebäude mit. Und ihre Lehrprobe, die Anna Maria Siegert vor knapp 30 Jahren an eben jener Schule abhielt.

Mit symbolträchtigen Grußworten hießen Vertreter von Stadt, Land und Schulwesen die neue Schulleiterin willkommen. So empfahl ihr Klaus Hierl, Ständiger Stellvertretender Schulleiter, Siegert solle herausfinden, welche Zutaten dem Süppchen FOS-BOS noch fehlen, um seine Rezeptur zu verfeiern. Oberbürgermeister Jürgen Dupper war sich sicher, dass sie Trittsicherheit und Rhythmusgefühl besitzt, um das "dünne Eis der Schule" zu betreten. Und Elternbeiratsvorsitzende Beatrice Schreyer überreichte der Frau der Stunde ein Mandarinen-Bäumchen: Auf dass die neue Direktorin Wurzel schlage in der FOS-BOS, sich zum Himmel recke und Früchte trage. Und ihre Schüler es ihr im Leben gleichtun.

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Will Fettnäpchen umgehen: Anna Maria Siegert.  Lehrer-Duo: Uwe Wiesmann (links) und Alexander Meindl.


Auch gute Ratschläge und Wünsche gaben die Redner an die Direktorin weiter. So hielt Landratstellvertreter Klaus Jeggle die Direktorin für eine wichtige Person im Leben ihrer Schüler. "Umfragen haben ergeben, dass der glücklichste Tag im Leben nicht die Hochzeit ist, sondern die Momente, in denen Mut, Sicherheit und Zuversicht in dem Menschen geweckt werden. Begleiten Sie Ihre Schüler so, dass sie mit erhobenem Haupt aus dem Rektorat kommen."

Gottfried Wengel, Ministerialbeauftragter für die Beruflichen Oberschulen in Ostbayern, war aus Straubing gekommen, um Siegert offiziell in ihr neues Amt einzuführen. Er skizzierte die Vita der gebürtigen Passauerin und kam auf das Thema ihrer Diplomarbeit zu sprechen. "Suggestopädie" ist eine Lehrmethode, die den Schülern hohe Eigenverantwortung für den Lernprozess überlässt und Frontalunterricht ablehnt. "Sie hat sich also schon seit ihrem Studium mit alternativen Lehrmethoden beschäftigt", stellt Wengel fest. In ihrem Pflichtenheft für die nächsten Jahre stünden ebenfalls der Ausbau des schülerzentrierten Unterrichts, außerdem ein kompetenzorientierter Lehrplan und individuelle Förderung.

Die Personalräte der FOS-BOS, Christian Hintermayr und Gerhard Kölbel schlugen den Bogen zu EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Sie sei ebenso wie Siegert, die ein Diplom in Wirtschaftspädagogik hat, eine "ausgewiesene Expertin der Wirtschaft". Und die erste Frau an der Spitze ihrer Einrichtung. "Unsere Schule besteht seit 50 Jahren und zum ersten Mal hat die Schulleitung kein Mann inne." Glück für die FOS-BOS, denn Frauen in Führungspositionen machen Unternehmen nachhaltiger erfolgreich, meinten die Oberstudienräte.

OB Dupper freute sich, dass es kein "Interregnum" gab und die Leitung nahtlos an Siegert übergeben werden konnte. Er versprach als Sachaufwandsträger seinen Teil beizutragen, der FOS-BOS eine digitale Zukunft zu ermöglichen. "Es wäre fahrlässig, die Schüler ohne Vorbereitung auf die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt zu entlassen."

In ihrer Antrittsrede freute sich Anna Maria Siegert, "eine Schule mit ausgezeichnetem Ruf" leiten zu dürfen. "Für mich schließt sich ein Kreis, der vor 30 Jahren seinen Anfang nahm." Zwischen Roxette, Mauerfall und den ersten Heimcomputern steckte die damalige Endzwanzigern mitten im Referendariat an der Passauer FOS-BOS. "Mir ging es von Anfang an gut an dieser Schule, ich fühlte mich als Kollegin integriert und akzeptiert", erinnert sie sich. Sogar ihre Lehrprobe absolvierte sie hier, in "Fachrechnungswesen", das inzwischen nicht mehr unterrichtet wird. Sie zeigte eine orangene Mappe: "Damals wollte ich ein Video zum Einstieg zeigen. Es gab kein Youtube, also habe ich meinen eigenen Film hier in der Heiliggeistgasse gedreht."

Seitdem habe sich viel verändert, griff Siegert das Thema Digitalisierung auf, das sich durch alle Reden an diesem Donnerstagnachmittag zog. "Wir geben jungen Menschen die Grundlage, Berufe auszuüben, die es heute noch gar nicht gibt." Zum Ende hin nahm sie sich vor, die positive Atmosphäre und Einstellung innerhalb des Kollegiums zu bewahren, Potenziale zur Entfaltung zu bringen, lebendigen Austausch anzustoßen und mit externen Partnern zusammenzuarbeiten. Dann packte sie ihren roten Rucksack aus: Durch das Fernglas will sie den Blick stets nach vorne richten, im Spiegel will sie sich selbst reflektieren, mit dem Sekt will sie feiern und den Plastikbechern will sie so gut es geht ausweichen – "um nicht in jedes Fettnäpfchen zu treten". Und wenn Rucksack und Inhalt mal zu schwer werden sollten, hofft sie, dass jemand ihr beim Tragen hilft.

Annabella Angerer-Schneider

   
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