Abiturienten der 13. Klassen der BO Passau auf den Spuren von Wölfen und unbekannten Flugobjekten entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs – Ein sehr informativer Nachmittag bei der Bundeswehr in der Radaranlage auf dem Großen Arber als Höhepunkt und Abschluss eines gelungenen Exkursionstages.

In enger thematischer Anlehnung an die Ereignisse des Mauerfalls im Jahr 1989 haben zwei Abiturienten-Seminargruppen der 13. Klassen der Staatlichen Fachober-und Berufsoberschule Passau die Auswertungen und Ergebnissicherungen ihrer Seminarprojektarbeiten abgeschlossen. Ein wichtiger Aspekt der vielfältigen jeweiligen Seminaraktivitäten, die bereits Ende des vergangenen Schuljahres begonnen hatten, waren dabei auch die konkreteren Auswirkungen des Mauerfalls und dem damit eingeleiteten unwiderruflichen Endes des Eisernen Vorhangs für die ostbayerische Grenzregion der Bundesrepublik, auch im Hinblick auf die Veränderungen in der heutigen tschechischen Republik, einem nun engen Kooperationspartner, zum Beispiel als NATO-Mitglied. Damit aber in der Arbeit der beiden Seminare nicht nur die Theorie vermittelt wird, was durch die Analyse von Zeitungsberichten, TV-Dokumentationen, Fachliteratur und Internetquellen geschehen war, wurde von den beiden Seminarleitern, den Oberstudienräten Josef Pfau und Michael Dominik, als weiterer Baustein eine umfangreiche Exkursion im Bayerischen Wald organisiert, als Fakten-Check vor Ort, mit der deutsch-tschechischen Grenze im Blick. An diesem Exkursionstag Anfang Oktober wanderten deshalb, beginnend kurz nach Sonnenaufgang, das Seminar mit dem Thema „50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald“ sowie das Seminar mit dem Thema „Aspekte der internationalen Sicherheitspolitik“ zunächst auf den Gipfel des Falkenstein. Dichter Nebel empfängt frühmorgens eine Gruppe von Wanderern am Fuße des Falkensteins im Nationalpark Bayerischer Wald, nicht die besten Voraussetzungen für eine Tour über die Höllbachschwelle auf den Gipfel dieses Bayerwaldberges möchte man meinen. Nicht so jedoch für die Seminaristen und ihre Begleitlehrkräfte, die diese Herausforderung flott angingen. Schnell beeindruckten die Details der herrlichen Waldlandschaft und auch die Gruppe wuchs immer mehr zusammen, man half und unterstützte sich auf dem teilweise doch recht anspruchsvollen, knapp zweistündigem Weg hoch zum Gipfel, auf dem der erhoffte Ausblick in die Weiten der einzigartigen Landschaft in der Mitte Europas sich angesichts des Nebels doch nur auf ein paar Meter beschränkte. Einblicke ermöglichte die Wanderung jedoch zuhauf. Die Konzeption des Nationalparks, Natur Natur sein zu lassen, die grenzüberschreitende Kooperation mit dem Nationalpark Sumava in Tschechien sowie die intensiven Diskussionen über die Borkenkäferbekämpfung besonders im Erweiterungsgebiet des Nationalparks, all das konnte vor Ort nachvollzogen werden. Das neu erbaute Schutzhaus auf dem Falkenstein, das wegweisend für einen nachhaltigen Tourismus im Bayerischen Wald ist, bot eine willkommene Gelegenheit sich aufzuwärmen und die Kräfte bei einer gemütlichen Brotzeit wieder aufzufrischen, wobei natürlich auch die vielfältigen Eindrücke der Tour ausgiebig diskutiert wurden.
Auf der anspruchsvollen Wegstrecke wurden von den Lehrern und den insgesamt 13 Seminarschülerinnen und Seminarschülern Themen wie die Lebensräume der dortigen Tierwelt, oder auch die Sicherung von Grenzen in unübersichtlichem Gelände thematisiert. Den zweiten Höhepunkt dieses Exkursionstages, beinhaltete, nach einer kürzeren Autofahrt, eine Besichtigung der Radarstation der Luftwaffe auf dem Großen Arber. Dort angekommen, wurden die Abiturientenseminargruppen und deren zwei Lehrer vom Jugendoffizier Hauptmann Klaus Schedlbauer aus Deggendorf, der bei der Vorbereitung dieser Besuchsmöglichkeit eng mit dem Seminarleiter Sicherheitspolitik der Passauer Oberschule kooperierte, in Empfang genommen und auch durch den weiteren Veranstaltungsnachmittag fachkundig begleitet.
Dabei erhielten die Seminarschülerinnen- und Schüler sowie die begleitenden Lehrkräfte über mehrere Stunden Führungen in den verschiedenen Bereichen dieser Radaranlage, die sich über insgesamt sechs Stockwerke erstreckt. Dabei wurde der Gruppe der Fos-Bos-Passau neben Einrichtungen der dortigen Energieversorgung und des Winterfahrzeugsparks auch der Kernbereich dieser wichtigen Anlage für die Luftraumüberwachung im Süden der Bundesrepublik zugänglich gemacht, der Raum mit den Darstellungsbildschirmen der aktuellen Luftraumlage Hier erhielten die Schülerinnen und Schüler ebenso äußerst interessante Informationen zur Vielzahl der erkennbaren Luftfahrzeuge, welche sich zu diesem Zeitpunkt im Bereich dieser Luftraumüberwachung in der Luft befunden haben. Photo PNP / Überwachungsstation ArberAuch dieser einzigartige Einblick in die Arbeitsweise einer derartigen militärischen Einrichtung hat bei den Schülern tiefen Eindruck hinterlassen. Weiterhin erhielt die Abiturientengruppe einen äußerst interessanten und vielschichtigen Vortrag des dort stationierten, leitenden Offiziers, Oberleutnant Gille. Dabei reichte die Bandbreite der Themen von zeitgeschichtlichen Informationen zur Geschichte dieser Einrichtung bis zum Ende des Kalten Krieges, die Entwicklung der heutigen zivilen und militärischen Luftraumüberwachung, technischen Erklärungen zu den eigesetzten Radarsystemen, Einblicke in die Luftsicherung der Bundesrepublik im Rahmen der NATO, die Identifizierung von Flugobjekten, über aktuelle Herausforderungen der Luftabwehr, z.B. durch Drohnen, bis hin zur Gefährdung von sensiblen Orten wie großen Fussballstadien oder Atomkraftwerken durch Bedrohungen aus der Luft. Ebenso wurden dabei immer wieder auch die sicherheitspolitischen Veränderungen für die Bundesrepublik und Bayern seit dem Mauerfall 1989 und dem folgenden Zerfall des Warschauer Paktes thematisiert und am Beispiel dieser Anlage auf dem Arber am konkreten Beispiel anschaulich vermittelt.
Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch die große Offenheit, mit der von den anwesenden Offizieren auf die vielen Fragen aus den Seminaren geantwortet wurde, was bei den Schülerinnen und Schülern sowie den anwesenden Lehrkräften den absolut professionellen Eindruck der anwesenden hochqualifizierten Experten der Bundeswehr noch vertiefte.
In den Wochen vor dem Mauerfalljubiläumstag wurden daran anschließend in den beiden Seminaren diese, auf vielfältigste Weise von den Schülerinnen und Schülern erarbeiteten, „erwanderten“ und aus erster Hand bei Fachleuten erfragten Informationen nun umfangreich aufbereitet. Damit konnte der damalige epochale Umbruch, der für Ostbayern und dessen Bundeswehrstandorte seit 1989 ebenso ungeahnte Veränderungen und Herausforderungen gebracht hat, den beteiligten Schülerinnen und Schülern bis zu den Gedenkveranstaltungen zum Mauerfall eindrucksvoll, auch und besonders an dieser sehr interessanten Bundeswehreinrichtung aus unserer Region, erfolgreich und nachhaltig vor Augen geführt werden.

Michael Dominik, Oberstudienrat an der Staatlichen Fachober-und Berufsoberschule Passau, Seminarleiter Sicherheitspolitik

Falkenstein Gipfelbild

   

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