„Wer könnte auf das Smartphone verzichten?“ war die Frage von Christoph Simbeck von der Stiftung neon für Suchtberatung und Prävention in Rosenheimen an die Klasse W11c der FOS Passau. Die Zielgruppen von neon sind Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch Betriebe und deren Führungskräfte und Mitarbeiter.

Dass nicht nur Alkohol, Drogen und Spiele in eine Abhängigkeit führen können, erklärt Herr Simbeck in einer online-Veranstaltung, die während der coronabedingten Distanzunterrichtszeit an der FOS Passau abgehalten wurde. Finanziert hat die Veranstaltung die AOK Passau mit dem Ziel der allgemeinen Gesundheitsvorsorge.

Im Workshop ergab die Umfrage nach der täglichen Smartphonenutzung der Schüler einen Schnitt von sechs Stunden! Schockierend? Nicht für Herrn Simbeck! Für ihn spiegelt das lediglich die stetig ansteigenden Werte aus den Workshops der letzten Jahre wider! Der Griff zum Handy, um die Uhrzeit oder die neuen Nachrichten der Lieblings-App zu checken, ist für die meisten von uns zum Automatismus geworden, birgt aber viele Gefahren!

Zunächst erklärt Herr Simbeck das sogenannte „Klaviermodell“ in der Präventionsarbeit. Die Interessen und Hobbies der Schüler (die Klaviertasten) ermöglichen Einblicke in deren Freizeitverhalten und verraten, womit sie sich in der aktuellen Krisenzeit gerade beschäftigen. Sobald der Fokus nur auf eine bestimmte Taste (z.B. einer exzessiven Smartphonenutzung) falle, sei man nicht mehr in der Lage die schöne „Melodie des Lebens zu spielen“ und laufe Gefahr in suchtähnliche Verhaltensweisen abzugleiten.

Fraglich ist, ab wann von Internet- oder Handysucht gesprochen werden kann. Auch, dass Steve Jobs, Bill Gates und andere den Technikkonsum ihrer Kinder auf ein Minimum reduzierten, bringt zum Nachdenken!

Herr Simbeck spricht in diesem Zusammenhang auch vom Produktivitätsparadoxon. Je mehr Zeit man am Smartphone verbringt, desto unproduktiver wird man! Als „Flow“ wird eine Phase bezeichnet, in der man hoch konzentriert ist und deshalb das Zeitgefühl verliert; eine Phase zwischen Langeweile und Überforderung, in die man erst nach circa 10 bis 20 Minuten eintritt.

Wenn dann aber das Smartphone regelmäßig zur Hand genommen wird, weil es klingelt, vibriert oder blinkt, so reißt dies den Lernenden ständig aus der Konzentration und lässt ihn gar nicht erst in die tiefe Konzentrationsphase, den Flow, eintreten. Und Herr Simbeck fügt hinzu: „Multitasking gibt es nicht!“. Unser Gehirn arbeite nie simultan; es kann den Fokus immer nur auf eine bestimmte Sache richten! Auf diese Art und Weise könne man sich auch leicht eine Aufmerksamkeitsstörung antrainieren! Für das Lernen zu Hause, aber auch für den Unterricht, sind das wichtige Erkenntnisse, welche Lernende, aber auch Lehrende bei der Optimierung des Lernprozesses berücksichtigen sollten!

Entscheidend ist aber nicht nur, wie oft und wie lange das Smartphone Beachtung findet, sondern auch wozu es benutzt wird! Gerade im Internet geben wir vieles von uns preis, kommunizieren, shoppen, suchen nach Informationen und hinterlassen dabei immer Spuren, die niemals zu verwischen sind. Unsere Daten sind im Internet unwiderruflich gespeichert, oft vergeben wir unsere Rechte an unseren Daten und auch Bildern – zugunsten von Facebook, Google & Co. – ohne uns dessen bewusst zu sein! So sind wir dann auch sichtbar und leicht durchschaubar für die Werbeindustrie oder für politische Meinungsbildung und werden durch gezielte Informationen unbewusst gelenkt.

Und genau darum ging es in dieser mehrstündigen Veranstaltung, um die Bewusstmachung des Einflusses unseres ständigen Begleiters, unseres Smartphones! Auch wenn es paradox scheint: Gerade in Zeiten von homeschooling und homeoffice, ist es umso wichtiger, sich der Beeinflussung durch digitale Medien und Internet bewusst zu werden. Digital Detox ist das neue Modewort unserer Zeit und ist die logische Konsequenz und notwendige Reaktion auf die voranschreitende Digitalisierung, um psychisch stabil, sozial eingebunden und ebenso schulisch und beruflich erfolgreich zu sein!

Bettina Stern

 

Neon2 

   

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