Lokaler Klimawandel im globalen Kontext

Burkhard Beudert, der Mann für Boden, Wasser und Luft zu Gast an der FOSBOS Passau.

10.6.26

Titel

Rund 35 Jahre lang war Dipl. Geoökologe Burkhard Beudert für das Umwelt-Monitoring im Nationalpark Bay-rischer Wald zuständig. Und noch immer schlägt sein Herz für die Analyse einschlägiger Klimadaten, die er auch nach seiner Pensionierung in ihrer Tragweite der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Und so war es ein Leichtes, ihn zu einem Vortrag für unsere Schülerinnen und Schüler der T12a, W 13 und WS13 zu gewinnen. Mit großer Dringlichkeit referierte er über die Auswirkungen und Phänomene des Klimawan-dels bei uns in Ostbayern. Dieser ist durch einen dramatischen Rückgang der Niederschläge und über-durchnittliche Temperaturzunahmen von bereits 3 °C im Jahresmittel gegenüber dem vorindustriellen Ni-veau charaktersiert. Die Abflussmengen in den Flüssen und Bächen aus den Quellgebieten des Bayrischen Waldes verzeichnen Rückgänge um 30-40%. Wird, wie im Falle etwa der Rott, das Wasser auch noch für die Bewässerung in der Landwirtschaft entnommen, fallen die Abflussmengen auf unter 50%. Doch bleiben diese Auswirkungen bisher ohne spürbare strukturelle, wirtschaftliche oder gar existenzielle Konsequenzen im Alltag, so Beudert. Und wohl deshalb berühren und aktivieren uns diese Temperatur-und Nieder-schlagsanomalien (noch) nicht, genauso wenig wie der dramatische Rückgang der Artenvielfalt. Allenfalls Betroffene in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, die wegen des abnehmenden pflanzenverfügbaren Wassers und niedriger Pegelstände immer wärmerer Binnengewässer Ernteeinbußen verzeichnen, seien alarmiert. (Kommunale) Entscheidungsträger würden dagegen diese Messdaten in ihrem täglichen politi-schen Handeln weitgehend ignorieren, beklagt Beudert. Im Zweifelsfall siege aktuell noch immer der Aus-blick auf kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinn, etwa wenn es um die Erweiterung eines Skigebietes im Bay-rischen Wald geht. Der Klimaschutz und notwendige Anpassungsstrategien im Sinne etwa eines nachhalti-gen Tourismus werden hingegen vernachlässigt, führt der Wissenschaftler aus.

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Burghard Beudert, der seine Sozialisation seit seiner Jugend in der evangelischen Kirchengemeinde erfah-ren hat, merkt man an, dass er mit seinen Vorträgen mehr will als wissenschaftliche Expertise zu liefern. Fragen der Gerechtigkeit treiben ihn als gläubigen Christen um und in seiner Arbeit an. Er kennt über beruf-liche und private Reisen in den sogenannten globalen Süden die Folgen des Klimawandels für die Men-schen dort aus eigener Anschauung. „Menschen, die den Klimawandel nicht zu verantworten haben, leiden am stärksten darunter.“, konstatiert Beudert. Trinkwasser und fruchtbarer Boden als Lebensgrundlage wer-den infolge der Erderwärmung gerade auf der Südhalbkugel immer knapper und dem sicheren Tod können viele Menschen nur durch Migration und Flucht entkommen.

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Am Ende des Vortrags kommt auch der Pädagoge in Beudert noch durch. Er präsentiert die Ergebnisse ei-niger Studien, die den deutschen Schülern überdurchschnittliches Umweltbewusstsein und Umweltaffekte wie Angst und Sorge um die Folgen des Klimawandels bescheinigen. Allerdings klaffe eine große Lücke zwischen Wissen und Betroffenheit einerseits und Handlungsbereitschaft und konkretem Umweltverhalten andererseits. Der Geoökologe sieht hier die Politik in der Pflicht die Rahmenbedingungen zu setzen, positi-ves Umweltverhalten zu fördern: „Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel sind Gemeinschafts-aufgaben und erfordern staatliche Regelwerke, die Gemeinwohl vor Eigennutz setzen und sicherstellen.“ Julia Gais, OStin

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