BF11 und F11 im Gespräch mit Historiker Dr. Stefan Rammer
„Es war einmal.“ Dieser Ausstellungstitel erschien den Schülerinnen und Schülern von BF11 und F11 der FOSBOS Passau zunächst grotesk. Denn die Fotos, die sie im Rahmen der Ausstellung „Es war einmal. Warschau 1949“ im Bildungshaus „Spectrum Kirche“ am Mariahilf in Passau zu sehen bekamen, hatten überhaupt nichts mit Märchen zu tun. Im Gegenteil: „Wir können davon ausgehen, dass ein Großteil der abgelichteten Personen in der Folgezeit sein Leben verlor“, stellte PNP-Journalist und Historiker Dr. Stefan Rammer eingangs klar.
Rammer, der die Bilder vor Jahren mit Hilfe der Verlegerfamilie Diekmann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte, lud die Gruppe nach einem Rundgang durch die 34 ausgestellten Fotografien zum Gespräch über das Gesehene ein. Mehrere Schüler berichteten von beklemmenden Gefühlen bei der Betrachtung der Abbildungen von Menschen jeden Alters, die meisten von ihnen Juden, die bei ihrer Ablichtung nicht wussten, wie ihnen geschah. Andere Bilder von Wehrmachtssoldaten aus dem Raum Niederbayern regten die Jugendlichen zum Nachdenken über Bezüge ihrer eigenen Familien in die Zeit des Nationalsozialismus an. „Haben die Menschen seitdem dazugelernt?“, fragte Stefan Rammer die Gruppe. Schließlich sei die Befreiung des KZ Auschwitz inzwischen 80 Jahre her. Doch die Antwort fiel angesichts der Vielzahl kriegerischer Auseinandersetzungen mit Menschenrechtsverletzungen in der Gegenwart eindeutig aus.
Die Lehrkräfte Stefanie Reitberger und Christian Hintermayr bedankten sich bei Stefan Rammer für die fachkundige Führung durch die Ausstellung und die erhellenden zeitgeschichtlichen Hintergrundinformationen. Was die Vorklassenschüler von Rammers Ausführungen mitnahmen, ging indes über Faktenvermittlung hinaus: „Wer einen Menschen tötet, der zerstört die ganze Welt“, gab der Historiker den Schülern mit auf den Weg. Denn jeder Mensch erschaffe sich im Lauf seines Lebens eine Welt um sich herum. Entsprechend gelte: „Wer nur einen Menschen rettet, der rettet die ganze Welt.“
Stefanie Reitberger, StRin