Upgrade bei den Passauer Bühnenhelden

Mit Coach Lea Karolina Brunner zu mehr Professionalität

10.6.

Artikel

„Brennt Benz Bremslicht nicht, bremst der Benz schlicht nicht.“ Das Warm Up der Theatergruppe neigt sich mit dem Zungenbrecher für die Stimmbildung dem Ende zu. Das ca. halbstündige Warm Up ist heuer als Ritual fest etabliert in der Theater AG. Lea Karolina Brunner achtet dabei akkurat auf den Wechsel von Konzentration und Entspannung. Trinken und Quatschen nur nach Ansage! Diese neue Disziplin tut den Passauer Bühnenhelden gut, die mit der Athanor-Absolventin Lea nun neben Julia Gais nicht nur einen professionellen Schauspiel-Coach haben, sondern auch eine Co-Regie. Behutsam leitet Lea die Nachwuchsschauspieler durch schwierige Szenen - und wieder heraus. Wie würgt man jemanden authentisch, ohne den Spielpartner zu verletzen? Wie mimt man eine unerwünschte, erotische Annäherung, die so im realen Alltag tabu wäre? Die Unterstützung ist nötig, bei dem, was sich das Ensemble der Passauer Bühnenhelden heuer vornimmt. Auf dem Programm steht eine modernisierte Bühnenadaption des düsteren Jugendbuchklassikers Krabat. Den Handlungsort des Stücks, das sich lose an der Handlung des Romans und seinen Motiven orientiert, verlegt Julia Gais auf den künstlich errichteten Inselstaat Atoll X. Dieser liegt in den Gewässern vor der an Rohstoffen wie Naturschätzen reichen Westküste Afrikas. Interessenskonflikte sind vorprogrammiert.

Wie im Original ist auch hier der Herrscher über dieses Reich, der Meister, ein charismatischer und mächtiger Mann, der junge ambitionierte Männer mit dem Versprechen unbeschränkter Selbstentfaltung auf seinen autarken Inselstaat lockt und dort für seine Zwecke einspannt. Wohl dem, der ihm gehorcht!

Auch bei dieser Produktion stellt die Bühnengestaltung die Truppe vor große Herausforderungen. Zentrales Kulissenelement ist ein hoher Serverturm in Form eines Obelisken, der wie Saurons Auge eine schwarze Macht und Totalüberwachung repräsentiert. Dessen Bau verlangt technisches Know How und handwerkliches Geschick.

Neben Besuchen von Baumärkten und IT-Seiten stand aber auch ganz klassisch der Besuch eines Theaterstücks der Athanor-Akademie auf dem Programm der Freitagstreffen. Das Drama „Liebe. Eine argumentative Übung“ über das Schicksal der emanzipierten und erfolgreichen Olivia Öl (Anmerkung: Kennt sie jemand? Nein? Spoiler: Das ist Teil des Problems! Olivia ist die Freundin von Muskel-Matrose Popey) zeigte uns neben einer radikal weiblichen Perspektive auf eine ungleiche Paarbeziehung, wie vielfältig Bühneninszenierungen sein können. Während die Passauer Bühnenhelden Geschichten mit klarem Handlungsverlauf auf die Bühne bringen, erinnerte „Liebe“ mit seinen wortgewaltigen (selbst)reflexiven Monologen und Dialogen eher an einen Blick durchs Kaleidoskop. Auch die sparsam gestaltete Kulisse erinnerte daran, dass Bühne rein als Illusionsraum funktionieren kann, wenn andere theatrale Mittel, allen voran die schauspielerische Leistung, ausdrucksstark sind. Diesbezüglich konnten die Schauspielerinnen das Ensemble der Passauer Bühnenhelden voll überzeugen, die sich daran erinnert fühlten, dass noch ein langer Weg bis zur Premiere von „Krabat“ zurückzulegen ist.

Julia Gais, OStin

{gallery}Artikel_Schule_aktuell/260610TheaterAGUpdate/Galerie{/gallery}