PNP-Interview zu Brüssel-Fahrt mit Jugend debattiert

Passauer FOS/BOS-Schüler debattieren im EU-Parlament

21.07.26

Titel

Teilnehmer des Projekts „Jugend debattiert“ der FOS/BOS Passau machten sich auf nach Brüssel und besuchten das EU-Parlament. - Foto: Privat


An der FOS/BOS wird die Debattenkultur hochgehalten. Lehrer Michael Dominik engagiert sich dort seit Jahren für das Projekt „Jugend debattiert“. Mit seinen Schützlingen hat er jetzt das Herz der EU besucht: Brüssel. Die PNP hat bei zwei Schülern – Joseph Feichtinger (18) und Simon Harant (19) – nachgefragt, wie es sich anfühlt, im EU-Parlament zu debattieren, und warum sie auch Manfred Weber nicht mit Samthandschuhen anfassten.

Wie war es für euch, im Herz der EU, dem Parlament in Brüssel, zu debattieren?
Simon Harant: Zunächst einmal war die Kulisse beeindruckend. Wir waren es gewohnt, dass wir im Klassenzimmer debattieren. Dort diskutieren zu dürfen, wo die Macht sitzt, war eine große Ehre und ein krasses Gefühl.
Joseph Feichtinger: Ich stand vor dem Parlament und dachte mir: „Wow, ist das groß!“ (lacht) Es sieht fast aus wie ein Raumschiff mit all dem Glas, ganz anders als der Bundestag. Dann steht man drin und wird durchgeführt. Und dann durften wir dort eine Debatte führen. Das war eine coole Erfahrung.

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Die Nachwuchs-Debattierer Joseph Feichtinger (l.) und Simon Harant (r.) mit ihrem Lehrer Michael Dominik von der FOS/BOS Passau - Foto: Munzinger


Das Thema war komplex: „Sollten angesichts der Sicherheitslage Mittel, die für den Umweltschutz bestimmt sind, in eine gemeinsame europäische Raketenabwehr uminvestiert werden?“ Welchen Standpunkt habt ihr vertreten?
Simona Harant: Ich war auf der Seite eingeteilt, die dagegen argumentiert hat. Wir haben dagegen argumentiert, weil das bedeuten würde, dass Mittel zweckentfremdet werden. Das würde das Vertrauen in die Demokratie schwächen. Und die EU hat zwar eine militärische Konsequente, aber das ist nicht ihr Hauptfokus. Das ist vor allem Aufgabe der Nato, auch wenn die USA vielleicht nicht mitziehen.

Pro oder contra: Positionen werden zufällig verteilt

Joseph Feichtinger: Ich war in dem Team, das für die Umverteilung argumentiert hat. Meine persönliche Meinung ist zwar eine andere, aber darum geht es nicht, das kann man sich beim Debattieren nicht aussuchen. Ich bin auch ganz spontan eingeteilt worden, kurz vor Beginn hieß es: „Joseph, uns geht noch einer ab, du bist jetzt bei uns im Team pro Umverteilung.“ Mein Argument dafür war der Raketen-Angriff des Iran auf den Stützpunkt auf der entlegenen Insel Diego Garcia. Der hat gezeigt, dass der Iran Waffen hat, die auch Europa treffen könnten. Das heißt, dass wir auch angreifbar sind und ein Raketenabwehrsystem brauchen.
Wie lief die Debatte?
Joseph Feichtinger: Es ist gut gelaufen, finde ich. Es ist immer interessant, die Meinung anderer Leute zu hören und sich Argumente gegen den Standpunkt anzuhören, den man selber vertreten muss.

Simon Harant: Jeder hat gute Punkte vorgebracht und wir sind in Freundschaft mit einem Unentschieden auseinandergegangen. So sollte es auch sein, finde ich.

Joseph Feichtinger: Klare Sieger und Verlierer gibt es in unseren Debatten sowieso generell nicht. Am Schluss gibt es eine Aussprache, in der wir noch einmal unsere Meinung äußern und auf die Argumente der anderen eingehen.
Bevor man urteilt, muss man zuhören. – Simon Harant
Warum habt ihr in eurer Schulzeit an „Jugend debattiert“ teilgenommen?
Simon Harant: Weil es wichtig ist, mit den Leuten zu reden, auch wenn sie eine andere Meinung haben. Bevor man urteilt, muss man zuhören und versuchen, die anderen zu verstehen.

Joseph Feichtinger: Beim Herrn Dominik sind wir auch im normalen Unterricht „gezwungen“, zu debattieren (lacht). Das finde ich sehr sinnvoll, weil man sich mit relevanten Themen auseinandersetzen und sie von allen Seiten beobachten muss. Es war auch schön zu sehen, wie sehr sich unsere Debattenkultur im Lauf von zwei Jahren verbessert hat. Mir hat es auch persönlich geholfen. Mein bester Freund hat eine ganz andere politische Einstellung als ich. Seit ich bei „Jugend debattiert“ mitmache, merke ich, dass ich in Diskussionen viel besser auf ihn zugehen kann. Man ist nicht mehr so auf Angriff gepolt, sondern ist viel ruhiger und auf einen Kompromiss aus.
Simon Harant: Wir haben eben gelernt, wie man auf Themen spezifisch eingeht, ohne verschiedene Bereiche oberflächlich zu vermischen. So kann man zielgerichtet arbeiten.

Schüler- trifft auf Seniorengruppe

Ihr habt in Brüssel auch Manfred Weber getroffen. Wie war euer Eindruck?
Simon Harant: Es ist schön, jemanden aus der Region in Brüssel zu haben, der Nähe rüberbringt. Er hat sich auch wirklich viel Zeit für uns genommen und uns die Abläufe im Parlament erklärt, die man auf Bildern und im Fernsehen nicht sieht.

Joseph Feichtinger: Bei dem Treffen war auch eine Gruppe von Senioren aus Landshut dabei. Es war interessant zu sehen, welche Fragen die Senioren gestellt haben und welche uns interessieren. Bei unseren Fragen ging es eher um unsere Zukunft. Und wir haben ihn auch nicht mit Samthandschuhen angefasst. Es hat sich dann eine richtige Debatte zwischen einer von uns und einer der Seniorinnen entwickelt. Ein Thema war der vermeintliche Brandmauerbruch im EU-Parlament, der groß in den Schlagzeilen war. Ich finde, da hat er gut argumentiert. Die Parlamentarier dürfen abstimmen, wie sie wollen, das ist ihr Recht. Das hat er klipp und klar erklärt. Ich denke auch, dass das kein Brandmauerbruch war.
Bald schreibt ihr Abitur. Wie geht’s debattenmäßig weiter?
Simon Harant: Ich kann mir schon vorstellen, dass ich zu Debattier-Clubs gehe, um Meinungen auszutauschen und meine Fertigkeiten zu verbessern.

Joseph Feichtinger: Lustigerweise wollen wir beide an die TH Deggendorf gehen, wenn wir das Abitur schaffen (lacht). Mein Ziel ist es tatsächlich, in die Politik einzusteigen. Ob das funktioniert, steht in den Sternen. Aber ich möchte mich engagieren. Und da bringt es was, wenn man debattieren kann.

Michael Dominik, OStR

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